Tagungs-Abstract: Der User als Produzent

Tagung am Institut für Theater-, Film-, und Medienwissenschaften
Goethe Universität Frankfurt, 15. und 16.10.2010 (Programm)

„Radioamateure. Von Wellenfängern, Ätherpiraten und Netzpiloten”

Von früh an zwangen Vorgaben und Regeln die Rundfunkbegeisterten zu eigenen Lösungen, um Ihr Technikinteresse aktiv umsetzen zu können. Im Sinne Michel de Certaus behandelt der Vortrag die Taktiken der Radioamateure von der Weimarer Zeit bis ins 21. Jahrhundert.

Als 1923 die Zeitschrift „Radio-Amateur” herausgegeben wurde, hatte sie bald schon 3000 Abonnenten. In der Zeitschrift wurde für die freiheitliche Entwicklung des Rundfunkwesens und für ein genehmigungsfreies Bauen von Detektoren plädiert. Die frühen Tüftler mit ihrem „Radio-Fimmel” waren strengen Regularien ausgesetzt. Eigenbaugeräte mussten genehmigt werden. Die Rundfunkverantwortlichen mutmaßten, dass Radiobauer auch bald zu Sendern werden könnten, dies sollte frühzeitig unterbunden werden. Lange war die Praxis der Radioamateure auf den Gerätebau und das „Wellen fangen” reduziert.

Später wurden aus den Funkamateuren Amateurfunker, allerdings auf eingeschränkten Frequenzen als Privatfunk. Hörfunk oblag immer noch den Sendeanstalten und die Schwarzsender waren weiterhin illegal. Vier Wochen mussten Fahnder 1974 suchen, bevor sie einen 17-Jährigen ausfindig machten, der ein eigenes Jugendradio betrieb: „RTN – Radio-Television-Nürnberg”. Das „Elsässische Radio Dreyeckland” sendete Anfang der 1980er Jahre bis nach Deutschland und wurde in Frankreich toleriert. Noch 1999 sendeten ungefähr ein halbes Dutzend Ätherpiraten regelmäßig über den Dächern Berlins.
Aus manch ehemaligem Piratensender wurde später ein offizielles Bürgerradio, die lokal arbeiten und in Vereinsstruktur betrieben werden. Als weitere legale Alternative bietet das Internet ab 2000 die Möglichkeit Audiosendungen zu veröffentlichen. Ab 2003 findet sich mit „Podcasting” ein Name für eine Praxis, die nun auch Laien das Senden an eine potentielle Öffentlichkeit ermöglicht.

Tine Nowak, Wiss. Mitarbeiterin, Museum für Kommunikation Frankfurt

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