Was tun?

Was tun? In der Ausstellungshalle des Senckenbergmuseums. Foto: Tine NowakÜber den Sinn menschlicher Arbeit mag schon der Eine oder die Andere nachgedacht haben, in der Ausstellungshalle des Senckenbergmuseums wird seit 1. Mai bis zum 16. September eine Ausstellung dazu gezeigt. Die Wolfgang Staubing Halle steht seit Ende 2008 im Hinterhof des Naturkundemuseums und bietet Raum für interdisziplinäre Kooperationsprojekte. Die Wechselausstellung läuft in Kooperation zwischen Senckenbergmuseum und dem Historischen Museum Frankfurt.

Kurzinfo:

Die Ausstellung „Was tun?“ zeigt statistische Daten und Videointerviews von 100 Menschen zum Sinn und Wert von Arbeit in unserer Gesellschaft. Zur Umsetzung des eher abstrakten Themas wird stark mit Ausstellungsmedien und Ausstellungs-Installationen gearbeitet. Durch fünf thematische Abteilung zieht sich zudem eine Tierspur mit ausgestopften oder artifiziellen Tieren, welche Themen der Ausstellung symbolisieren, z.B. beim Ameisenstaat oder einem Faultier. Der Tierbezug, der an einem Ort wie dem Senckenbergmuseum nahe liegt, wird auch in der Werbegrafik der Ausstellung aufgegriffen, bei der Tiere menschliche Erwerbsarbeiter repräsentieren. Es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm, zudem ein Blog als Ausstellungsseite und eine Fanseite bei Facebook. Anstatt eines Katalogs wurde in Rahmen einer Medienkooperation ein Ausstellungs-Special in der FAZ online gesetzt und gedruckt, das zudem in hohen Stapeln im Eingangsbereich ausliegt.

Die Ausstellung wurde erstmals 2009/2010 am Hygiene Museum Dresden gezeigt und ist vom Historischen Museum Frankfurt für den neuen Standort überarbeitet worden. Die Dresdner Ausstellung hieß „Arbeit. Sinn und Sorge“ wurde von der Praxis für Ausstellungen und Theorie [Hürlimann|Lepp|Tyradellis] kuratiert, die auch an der Adaption von „Was tun? Über den Sinn menschlicher Arbeit“ am Senckenbergmuseum wieder beteiligt waren.

Was mir gefällt:

Ausstellung: Was tun? Foto: Tine Nowak1. Mini-Touchdisplays
In der Ausstellung werden statistische Zahlen mit individuellen Aussagen zur Arbeit unterbrochen. Überall gibt es Video-Interviews. Besonders gut gefällt mir die Umsetzung in einer Reihungen kleiner Touch-Bildschirme. Man kann das Video durch Berührung starten, der Ton kommt über einen Kopfhörer, denn man ans Ohr hält. Die Einzelplayer sind durch ein schwarzes Board gerahmt, dass sich als Ausstellungselement in den Räumen wiederholt.

Ausstellung: Was tun? Foto: Tine Nowak2. Dominospiel
Die Stelen mit den Abreißzetteln und Stempeln sind mir gleich aufgefallen. Stationen, an denen man selbst aktiv werden kann, ziehen immer Aufmerksamkeit auf sich. Die Abreißzettel sind wie ein Glossar zur Arbeit mit 28 Begriffen. Auch die Stempel tragen Schlagworte zur Arbeit. In jeder Abteilung finden sich die Stelen wieder. Wer alle Zettel mitnimmt hat nicht nur ein Ausstellungsheft in der Hand, sondern sogleich ein Domniospiel. Wobei ich gestehen muss, dass mir diese Funktion erst in der Nachbereitung beim Lesen des Pressetextes klar wurde.

Ausstellung: Was tun? Foto: Tine Nowak3. Darstellung abstrakter Themen durch Puppenspiel
Eine gelungene Lösung abstrakte Prozesse darzustellen, ist die Umsetzung als Puppenspiel. Als große Videoprojektionen sind sie im Ausstellungsraum zu sehen. Das Foto zeigt die Projektion und den Erläuterungstext zur „Totalen Flexibilisierung“. Zwei weitere Videos finden sich auch auf YouTube:  „Die Konjunktur beim Arzt“ und „Herr Helm und Frau Wissmann Arbeitsexperten im Jahr 2030 zum Thema Bürgergeld“. Puppenspieler waren Julia Giesbert, Ivana Sajević, Michael Hatzius, nach einem Konzept der „Praxis für Ausstellungen und Theorie“.

Manko:

Ausstellung: Was tun? Foto: Tine NowakSchöne Raum- und Farbgestaltung, doch der Vermittlungsanteil über Medien ist sehr hoch, klassische Ausstellungsobjekte gibt es relativ wenige. Tatsächlich sind mir gar zu viele unterschiedliche Videostationen im Einsatz (kaum zu glauben, dass ich so etwas je schreiben würde). Ich fand von Raum zu Raum immer weniger Muße mir die Videos länger anzuschauen. Das hinterließ gleichzeitig das Gefühl, wichtige Teile der Ausstellung zu verpassen.

 

Die Ausstellungsabteilungen:

Vorraum der Ausstellung
Ausstellung: Was tun? Raum 0. Foto: Tine Nowak

Abteilung 1: Der Frei-Raum
Ausstellung: Was tun? Raum 1. Foto: Tine Nowak

Abteilung 2: Der Maschinen-Raum
Ausstellung: Was tun? Raum 2. Foto: Tine Nowak

Abteilung 3: Der Übungs-Raum
Ausstellung: Was tun? Foto: Tine Nowak

Abteilung 4: Der Werk-Raum
Ausstellung: Was tun? Raum 4. Foto: Tine Nowak

Abteilung 5: Der Welt-Raum
Ausstellung: Was tun? Raum 5. Foto: Tine Nowak

Weitere Impressionen:

Schlagwortwolke aus Grabsteininschriften Berliner Friedhöfe (Abteilung 1)
Ausstellung: Was tun? Impressionen. Foto: Tine Nowak

Die Tierspur: Der Schoßhund (Abteilung 2)
Ausstellung: Was tun? Foto: Tine Nowak

Videorondell zu einer TV-Talkshow (Abteilung 5)
Ausstellung: Was tun? Impressionen. Foto: Tine Nowak

Mein Eintrag ins Gästebuch
Ausstellung: Was tun? Gästebuch. Foto: Tine Nowak

Schon von der Straße sichtbar: der Ausgang und Eingang in den Hinterhof
Ausstellung: Was tun? Impressionen. Foto: Tine Nowak

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