Nachttanz statt Demo

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Die einen kennen noch die Nachttanzdemos in Frankfurt, die anderen nicht. An diesem Wissen verläuft die Altersgrenze zwischen den aktiven jungen Clubgängern und denen, die von gestern sprachen, wenn sie Clubs meinen. Dazwischen reisen zeitlose Nachtschwärmer. Bei der Kulturtanzdemo der Clubs am Main gegen die geplante GEMA-Reform kamen alle zusammen. Diese Karawane der beschallten Clubwagen fühlte sich dann mehr nach Nachttanz als Demo an. Als solcher war der Abend sehr gelungen.

Politisch hätte ich mir jedoch gewünscht, dass sich die Clubs Bündnispartner gesucht hätten, die ebenfalls von der GEMA-Reform betroffen sind. Ich hätte es nicht weniger großartig gefunden, wenn Frankfurter Vereine, beispielsweise die Sachsenhäuser Brunnengesellschaft mitmarschiert wären, denn gerade die Vereine mit ihren Stadtfesten wird die GEMA-Reform treffen und das unter Umständen viel härter als die Clubs.

Vielleicht sollte man diesen Gedanken aufgreifen und ganz groß denken. Wenn sich Karnevalsvereine solidarisch mit den kleineren städtischen Vereinen zeigen würden, die keine Extra-Regelungen mit der GEMA treffen können. Im Frühjahr komplett auf Karnevals-Umzüge und Veranstaltungen zu verzichten (oder zumindest auf die begleitende Musik), würde die breite Masse deutlicher schmerzen und mehr Aufmerksamkeit für die GEMA-Reform erzeugen, als singuläre Unternehmungen, wie dem munteren Partyumzug der Kulturtanzdemo.

Aber dieser Wunsch bleibt Illusion, denn dieses Gefahrenpotential hat die GEMA längst erkannt und gehandelt.

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2 Gedanken zu „Nachttanz statt Demo

  1. Unabhängig der Art und Weise, haben die Veranstalter viel zum Thema GEMA kommuniziert. Und dennoch habe ich das Gefühl gehabt, dass das bei sehr vielen (jüngeren) Menschen eher als Partyveranstaltung aufgeschnappt wurde- was aber bei der Loveparade oder auch den von Dir angesprochenen Nachttanzdemos eigentlich auch immer der Fall war.

    Für mich ist jedenfalls jetzt die Situation eingetreten, daß wenn diese Reform kommt, die Betreiber sich jetzt die Grundlage geschaffen haben, bei späteren Preiserhöhungen darauf zu verweisen, daß man sich ja damals gewehrt habe. Und eigentlich müsste man sich nun alle Preise in allen Clubs notieren, um dann prüfen zu können, ob wirklich nur die „neue Mehrbelastung“ aufgeschlagen wird, bevor utopische Preise künftig alibimäßig immer der GEMA-Reform zugeschoben werden.

    PS: Schöne Fotos.

    Gruß, Rob

  2. Bezeichnend fand ich einen Augenblick als der Zug am Museumsufer war. Drei Jungs, um die 20 Jahre, stießen dazu und fragten Leute, was das hier sei. Die sagten, das sei GEMA. Darauf die Jungs: „GEMA, wasn das? Saugeil!“

    Die Preiserhöhung ist durchaus ein guter Punkt. Aber man muss auch berücksichtigen, dass die „Clubs am Main“ sehr unterschiedlich sind. Manche Clubs haben ein Klientel, das wird einfach mehr bezahlen. Andere, kleinere Clubs werden es schwerer haben, außer sie finden kreative Umwege.

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