Facebook in der sozial-/pädagogischen Praxis

PraktikerInnen zu Besuch im Seminar. Foto: Andreas Rickert-Lützen
Kein Grauen, viele Grauzonen

Diese Woche hatten wir in das Seminar Praktiker/innen aus der sozial- und medienpädagogischen Praxis ins Seminar eingeladen, um zu hören, wie sie Facebook, in ihr professionelles Handeln integrieren. Madita Lammers, Ullich Steybe und Gregory Grund haben über ihre Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Lehrern, Eltern und Projektpartnern berichtet und mit uns über die daraus resultierenden Fragen diskutiert.

Mit den drei Praktiker/innen hatten wir eine angenehm diverse Runde zu Gast:

PraktikerInnen zu Besuch im Seminar. Foto: Andreas Rickert-LützenZu Beginn des Seminars habe ich die eingeladenen Praktiker/innen den Studierenden und Veranstaltungsbesucher/innen vorgestellt und im Gegenzug unsere Gästen kurz in den Kontext des Seminars eingeführt. Das Gespräch gestern passt zeitlich sehr gut, denn die Studierenden haben im Dezember die Aufgabe bekommen, fiktive Projekte zur Nutzung von Facebook (oder eines ähnlichen sozialen Netzwerks) zu konzipieren, welche sich entweder auf die Sozialraum– oder die Lebensweltorientierung stützen.

Bevor es richtig losging, wurde kurz geklärt, wie wir mit dem Etherpad verfahren. Wir nutzen wöchentlich Etherpads als Protokoll, wobei die 5 Studiengruppen eigenständig bestimmen, wePraktikerInnen zu Besuch im Seminar. Foto: Andreas Rickert-Lützenlche Gruppe in der Woche zuständig ist. Da der Link zum Etherpad dieses Mal nach Außen publiziert wurde, haben wir freigestellt, wer schreibt. Das jetzige Etherpad basiert nun auf diesen Mitschriften, wobei ich eigene Notizen später ergänzt und die Inhalte stärker strukturiert habe. An dieser Stelle vielen Dank an die Studierenden, die mitgeschrieben haben.

Während Madita Lammers und Ullich Steybe ihr Klientel über einen längeren Zeitraum begleiten, sind die Projekte bei Gregory Grund stärker punktell, was aber sehr gut typische Strukturen der Medienarbeit in der Sozialen Arbeit und in der Medienpädagogik widerspiegelt.

Die in vielen Fällen dem Hauptschul-Milieu entstammenden Jugendlichen von Steybe und Lammers nutzen Facebook stark zur Kommunikation untereinander, aber auch mit Ihnen als offiziellen Vertreter der Schule bzw. Vertreterin eines institutionellen Trägers. Aus diesem Grund haben beide, aber ebenso Gregory Grund, professionelle Facebook-Accounts, die sie im Rahmen der Arbeit nutzen, ähnlich einer Arbeit-E-Mailadresse, die sich von der privaten Adresse unterscheidet. Eine Ablehnung einer Freundschaftsanfrage werde von den Kids als Kränkung empfunden, so Steybe. Er verweise dann immer auf den Berufs-Account. Diese Alternative, nachvollziehbar in einer privaten Nachricht erläutert, werde dann gern akzeptiert.

PraktikerInnen zu Besuch im Seminar. Foto: Andreas Rickert-LützenDie aktuelle Nutzung in der Praxis ist oft weiter als die Rechtsprechung, die der pädagogischen Arbeit derzeit wenig rechtssichere Rahmenbedingung bietet. Um nah am Klientel zu sein nehmen Sozialarbeiter und Pädagogen z. T. persönliche Risiken auf sich, wenn sie mit Kindern und Jugendlichen im Internet Projekte begleiten oder via Facebook mit ihnen kommunizieren. Von den Kommunen und Institutionen gibt es in vielen Fällen keine bis vage Handlungsanweisungen oder Leitfäden. Es sei alles im „Experimentierstadium“ so Lammers.

Eine vielversprechende Möglichkeit der medienpädagischen Arbeit ist der Weg in die jugendlichen Peers, angeleitet von erwachsenen pädagogischen Multikplikator/innen. Jugendliche erklären jüngeren Schüler/innen, wie sie ihre Privatssphäre schützen können oder was fairer Umgang im Netz bedeutet. Gregory Grund stellte diese Methode am Beispiel der „Digitalen Helden“ vor, ein Projekt, welches „Sicher Dein Web“ in Frankfurt/M. an 4 Schulen startet und dessen „Kick off“ am Safer Internet Day 2013 sein wird. Noch würden er und seine Kollegen meist für Fortbildungen gebucht, die den Schutz vor Facebook oder die Gefahren des Internets zum Thema hätten, so Grund, doch sind es gerade die Potenziale von „Sozialen Netzwerken“, die stärker genutzt werden müssen.

PraktikerInnen zu Besuch im Seminar. Foto: Andreas Rickert-Lützen

Letztendlich gelte – recht pragmatisch – für jeden: „Vor dem Benutzen der Tastatur immer das Hirn einschalten“, so Steybe, womit er das Schlusswort der Seminarsitzung prägte.

Weitere Aspekte und Informationen zum Seminar finden sich im Blogbeitrag von Gregory Grund (bei Sicher-Dein-Web und im seinem eigenen Blog) und im schon oben beschriebenen Etherpad-Protokoll.


 

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