Besuch bei tv.berlin

Im Studio des Frühcafés:

Eine neue Ausstellung im Museum für Kommunikation beschäftigt sich mit dem Thema von historischen und aktuellen Spielarten des Tagebuchs. Die Ausstellung umfasst über 300 Tagebücher und Webblogs, teilweise sogar von bekannten Autoren wie James Cook oder auch Thomas Mann.
Was all diese Einträge gemeinsam haben und was die Autsellung so sehenswert macht, hat uns die Kuratorin des Museum für Kommunikation Tine Nowak verraten.

Ein Ort fuer Anne Frank

Jugendbegegnungsstätte in Frankfurt

Gestern stand in der Frankfurter Rundschau: „Viele kennen das Tagebuch der Anne Frank, doch kaum jemand kennt die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank.“ Man sollte doch meinen, dass in Anne Franks Geburtsstadt prominent an eines der bekanntesten Opfer des Nationalsozialismus erinnert würde. Die Jugendgegenungsstätte liegt jedoch abseits des Museumsufers und der Innenstadt. Sie ist nicht wirklich nahe, aber zumindest im selben Stadtteil wie das Geburtshaus von Anne gelegegen, wo die Familie Frank mehrere Jahre lebte. „Ein Ort fuer Anne Frank“ weiterlesen

Abhandlung zur Tagesform

Schlechte Tagesform? – Nicht fit, oder was?

Hat sich eigentlich schon mal irgendjemand Gedanken darüber gemacht, was genau mit der „Tagesform“ gemeint ist? Das Ganze wirft doch ziemlich viele Fragen auf, zumindest bei Nicht-Ausstellungsbeteiligten. In der heißen Endphase der Ausstellungsvorbereitung stehen wir im Moment ab und zu vor der Frage: Versteht eigentlich jemand etwas von dem, was wir hier tun und schreiben?

Heute zum Beispiel: Gespräch mit einer Kollegin von der Stadt Frankfurt zu einem Artikel in der Seniorenzeitschrift, die Anfang März – also passend zum Ausstellungsstart – erscheint. Viele Gedanken habe ich mir zum Tagebuch gemacht, wie man seniorentauglich die Weblogs erklärt. Und? Unverständnis schlägt mir entgegen bei der „Tagesform“, die eben nicht den körperlichen Fitness-Zustand eines Tagebuchautoren bezeichnet…

Die Form, vom lateinischen forma abgeleitet, ist doch weitaus vielseitiger als man auf den ersten Blick denken könnte, findet in den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen Verwendung und bezeichnet immer die Erscheinung oder Gestalt einer Sache oder eines Gegenstands. In Bezug auf literarische Werke ist damit eben genau gemeint, wie ein Text aufgebaut ist, wie er strukturiert ist. Beim Tagebuch ist das ganz klar die Gliederung in „zeitliche Häppchen“, die von Tag zu Tag oder in einem ähnlichen zeitlichen Rhythmus serviert werden.

Mir erscheint das ganz logisch. Man wird sehen, ob die Leser vom „Silberblatt“ das auch so sehen…

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Ein selbsterklaerender Eintrag

Andrea Diener führt uns das Bloggen vor

Andrea Diener bloggt, Foto: Tine NowakHoher Besuch: Letzten Freitag besuchte uns Blog-Autorin Andrea Diener im Büro. Sie wird in unserer Ausstellung innerhalb einer von sieben Tagebuchgeschichten vorgestellt. Extra für uns legte sie einen neuen Eintrag in ihrem Blog Reisenotizen aus der Realität an. Dank Andrea werden Ausstellungsbesucher bald nahezu in Echtzeit miterleben können, wie ein Blog-Eintrag entsteht – vom Einloggen bis zum Publizieren.

Ob sich die regelmäßigen Besucher von Andrea Dieners Blog am Freitagnachmittag wohl gewundert haben? Andreas neuester Eintrag muss Ihnen doch etwas sonderbar vorgekommen sein – schließlich ging es darin nur um eines: Wie man einen Blog-Eintrag schreibt.

Des Rätsels Lösung: Andrea hat mit diesem Blog-Eintrag gewissermaßen ein Ausstellungsstück für uns geschrieben. Das Schreiben des Eintrags hat sie nämlich eifrig mit Screenshots festgehalten. Diese wurden von mir anschließend zu einer Animation zusammengefügt. Später in der Ausstellung wird diese an einer Medienstation vorgeführt werden um nicht-Bloggern die Grundprinzipien des Schreibens im Internet näher zu bringen.

In der fertigen Animation kann man jetzt zuschauen, wie Andrea sich zunächst anmeldet und dann einen Eintrag hinzufügt. Einen guten Kaffee brauche sie, schreibt Andrea, bevor sie mit dem Schreiben anfangen könne. Da unterscheide sich das Bloggen gar nicht vom Schreiben anderer Texte. Wenn man allerdings herunterscrolle erscheine der Publish-Button, mit dem die Geschichte veröffentlicht wird, schreibt sie und scrollt promt den Bildschirm hinunter bis zum besagten Button. Die Überschrift schreibe sie meistens zum Schluss, fügt sie hinzu, und überschreibt den Eintrag mit „Selbsterklärender Eintrag“. Ein Klick auf Publish und schon steht der Eintrag im Netz.

Den Blog-Eintrag hat Andrea mittlerweile wieder gelöscht – aber die Animation kann man sich hier schon mal in klein anschauen: Andrea-Diener-Blogeintrag. In Groß kann man sie dann ab 6. März in der Ausstellung finden.

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Berichte aus Verstecken, Ghettos und KZs

Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Hanno Loewy (Gründungsdirektor des Fritz Bauer Instituts) und Andrzej Bodek (Referent im Frankfurter Kulturdezernat) verfassten den lesenswerten Text: Mit Radio und Tagebuch gegen die „Entmenschlichung“, der auf den Internetseiten von arte zu finden ist. Sie zeichnen darin die wichtige Rolle des Radios für die im Versteck lebenden oder im Ghetto eingesperrten Juden nach, quasi als „lebensverlängernde bzw. –erhaltende ‚Nabelschnur'“.

Das Radiohören wurde zum persönlichen Widerstand, war es doch mit Todesstrafe verboten. Diese „Amidah“ umfasst im Text alle Aktivitäten, die es Juden ermöglichten – auch in schwerster Zeit – Hoffnung und Lebensmut zu fassen. Am Beispiel der Tagebuchaufzeichnungen von Anne Frank und Jakub Poznanski, wird aufgezeigt, wie sich die Radionachricht des D-Days auf beide, ob im Versteck die eine oder im Ghetto der andere, ausgewirkt haben.

Das Thema der Zeitzeugenschaft im Tagebuch, das Aufschreiben angesichts des eigenen Todes als Nachricht, die weiter wirken soll oder als Beweis für spätere Zeiten, im Falle des Überlebens wird auch an Beispielen in unserer Ausstellung thematisiert werden. So wird die Taschenuhr von Fritz Sollmitz zu sehen sein, der darin auf Zigarettenpapier Miniaturnotizen versteckte. Diese gelangten nach seinen Tod 1933 im KZ Fuhlsbüttel mit der Uhr an seine Frau und gehören damit zu den frühesten Berichten, die von den Zuständen in den KZs erzählen.

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Vom Sammeln und Zeigen der Lebensspuren

Eine Wanderausstellung des Deutschen Tagebucharchivs

Man könnte fast meinen, das Jahr 2008 stünde ganz im Zeichen des Tagebuchs. Es startete mit der laufenden Tagebuchaustellung in Zürich und setzt dieses munter in Emmendigen mit der Eröffnung der Wanderausstellung „Lebensspuren“ fort. Emmendingen als Heimstätte des Deutschen Tagebucharchivs, welches die Ausstellung auch konzipiert und organisiert hat, ist als erste Station gut gewählt. Zudem feiert die kleine Institution damit ihr 10-jähriges Bestehen.

Noch bis zum 17. Februar sind Tagebücher sowie Schautafeln zu acht ausgewählten Tagebuchschreibern aus dem Bestand des Archivs im Rathaus Emmendingen zu besichtigen. Zu fünf weiteren badenwürtembergischen Städten werden die „Lebensspuren“ noch wandern. So wird schon am 9. März in Konstanz eröffnet und ab Mai in Karlsruhe, später geht es dann noch nach Schwäbisch-Hall, Ebersbach bei Stuttgart und Freiburg.

Schon vorab hat die Badische Zeitung einen Artikel zur Ausstellung gebracht. Weitere Meldungen zur Ausstellungseröffnung werden hier in den nächsten Tagen folgen.

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Geschichte des Bloggens

Das Weblog hat Geburtstag

Mit all der Arbeit, die kurz vor Weihnachten anfällt, habe ich ganz übersehen, dass der Begriff „Weblog“ am 17. Dezember zehnjähriges Jubiläum hatte. John Barger gilt hierfür als Namensgeber, was somit eines der wenigen festgeschrieben Eckdaten im Rahmen einer „Geschichte des Bloggens“ wäre. Mit der fehlenden Festschreibung habe ich mich gerade jetzt im Oktober und November intensiv beschäftigt, da die aufwendige Recherchearbeit für meinen Aufsatz für den Ausstellungskatalog notwendig wurde.

Letztendlich durch wichtige Hinweise von Jörg Kantl und Kris (hier ein großes Dankeschön) habe ich jetzt das Gefühl mir einen relativ guten Überblick über die „Geschichte des Bloggens“ erarbeitet zu haben, zumindest was den deutschsprachigen Raum angeht. Leider ist die Recherche letztlich viel zu kleinteilig geworden und wird sich in diesere Gänze gar nicht in meinem Katalogartikel widerspiegeln. Immerhin für meine Dissertation über „Medienamateure“ habe ich so nebenbei massig Material gesammelt, was das latent schlechte Gewissen der Dissertation gegenüber ein wenig beruhigt.

Ich komme auf dieses Thema, weil ich (via den Kommentaren bei Jan Schmidt) auf einen Text von Benedikt Köhler gestossen bin, der sich auch gerade mit dieser „Archäologie des Bloggens“ beschäftigt hat. Der Titel passt natürlich, ist zudem mit dem Titel eines Texts von Jörg Kantel identisch, den er 2002 schrieb und darin versucht hatte, das Weblog als digitales Format einzuordnen. Was mir beim Text von Benedikt Köhler auffällt ist, dass sich hier Formate vermischen. Zum einen gab es Online-Tagebücher, womit ich Tagebücher auf privaten Homepages meine, und später gab es es mehr oder weniger aufwendige Redaktionssysteme, also eine Software, womit für mich das Sein als „Weblog“ beginnt. Das später die Online-Tagebuchszene und die Blog-Szene sukzsessive ineinander übergingen macht im Nachhinein die Datierung nicht einfacher.

Ich persönlich sehe den Anfang deutschsprachiger Weblogs bei Helma. Man muss sich das nur mal über die Wayback-Machine ansehen. Schon 1998 sieht die Seite so aus, wie man sich mehr oder minder ein Weblog (allerdings mit mehreren Autoren) vorstellt. Melody schrieb hingegen in einem Online-Tagebuch (was heute in ihrem Blog archiviert ist), bald schon durch den Wellenbrecher-Tagebuchring als Mitbegründerin und Teil einer „Community“. Damit war sie längst nicht die früheste Online-Tagebuchschreiberin, Herr Minusmann begann ein wenig zuvor, und ich bin sicher, dass sich auch noch älteres finden liesse.

Nebenbei finde ich den Zeitstrang von Köhlers „Blog History Project“ als Werkzeug beeindruckend, nur ungenau, was als Blog oder Online-Tagebuch daher kommt und es fehlt noch einiges, gerade was den Zeitraum Ende 1999 und das ganze Jahr 2000 angeht.

Apropos Kommentare: das Online-Tagebuch von John Baez, welches im Kommentar genannt wird, kannte ich noch nicht und bin für den Hinweis sehr dankbar.

Erstveröffentlichung auf http://tagwerke.twoday.net