Koons in Frankfurt

Kult Up  zur Jeff Koons-Ausstellung im Liebieghaus, Foto: Tine Nowak
Kurzinfo:
Jeff Koons ist zur Zeit einer der teuersten Künstler der Welt. Er ist außerdem einer der wenigen Kunst-Celebritys, die auch außerhalb der Kunstwelt bekannt sind. Erst letzte Woche war er bei Late-Night Satiriker Stephen Colbert (Comedy Central) zu Gast. In Frankfurt ist seit Juni eine Gemeinschaftsausstellung zu Jeff Koons zu sehen. Die Kunsthalle Schirn zeigt. „Jeff Koons. The Painter„. Das Liebieghaus zeigt „Jeff Koons. The Sculptor„.

Koons als Blockbuster
Gemäß der Prominenz von Koons Werk wird die Ausstellung stark beworben und man merkt der Planung die Aussicht auf ein hohes Besucheraufkommen an: „MUST SEE“ heißt es auf den Ausstellungsplakaten. Kritisch zeigte sich hierzu mitunter Niklas Maak (FAZ) in einem pointierten Artikel, in dem er die Eventisierung des Museums beklagte. 50.000 Besucher sind seither in der Koons-Ausstellung gewesen. Eine beachtliche Zahl. Es gibt Museen, die wären froh, dürften sie diese Besucher im ganzen Jahr bei sich begrüßen. Im Hinblick auf Besucherzahlen vergangener Erfolgsausstellungen wirkt die Zahl fast schon wieder bescheiden. Doch relativiert sich dies etwas im direkten Vergleich, beispielsweise zur Koons-Ausstellung 2008 im Museum für Contemporary Art Chicago. Bei einer ähnlich langen Laufzeit waren am Ende etwas über 86.000 Besucher gekommen. Trotz seiner Popularität scheint Jeff Koons für Museumsbesucher noch kein so dringlicher Besuchsanlass wie eine Ausstellung zu Munch oder den Impressionistinnen zu sein. Am Ticketcontainer, der auf dem Bürgersteig vor dem Liebieghaus aufgestellt worden war, hatte ich bisher noch keine langen Besucherschlangen gesehen. Persönlich finde ich das gut, da ich überfüllten, mit Besuchern gedrängten Ausstellungen nur wenig abgewinnen kann. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich dies noch zum Ende der Laufzeit. Mit dem September beginnt wieder die eigentliche Museums- und Galeriesaison.

Was mir gefällt:
Kult Up in der Jeff Koons-Ausstellung im Liebieghaus. Foto: Tine NowakKontextualisierung im Liebieghaus
Jeff Koons Skulpturen sind im Liebieghaus in den Kontext der permanenten Ausstellung des Museums gesetzt worden. Erstaunlicherweise profitieren davon am stärksten die Skulpturen des Hauses. Mit Koons perfektionistischen Kitsch-Objekten nimmt man die historischen Kunstwerke präsenter wahr. Die Setzung ist klug, Koons Skulpturen sind optimal auf die historischen Werke abgestimmt. Auch ohne große Erläuterungen und Texte ist es möglich, intuitiv eine Narration innerhalb der Räume zu erfassen.

Jeff Koons. The Painter - Schirn Frankfurt, Foto: Tine Nowak Verwendung von QR-Codes
Wer vertiefende Informationen sucht (und das wird man spätestens in der Schirn) findet an manchen der Kunstwerke einen QR-Code neben dem Objektschild. Ein Link führt zu ausgewählten Artikeln des Schirn Magazins, wo sich Artikel zur Ausstellung lesen lassen. Hier wird jeder Lüge gestraft, der behauptet, QR-Codes seien zu aufdringlich und hässlich. Siehe da: das Arrangement aus Schild und QR-Grafik wirkt sauber und aufgeräumt.

Manko:
Der lange Ausstellungsraum der Schirn liegt nahezu unverbaut vor uns. Weiße Wände, helles Oberlicht, der Raum nimmt sich zurück. Hier sprechen die Bilder, doch leider fühlt sich dies wie ein babylonisches Sprachgewirr an. Es schreit einen von überall Kunst an: deute mich, lies mich, ich biete Dir was an. Doch wo anfangen? Die Reihung ist bewusst nicht chronologisch. Nach welchen Ordnungsprinzip hängen sie? Thematisch, ästhetisch, dialogisch? Einzig im nur Erwachsenen zugänglichen „Made im Heaven“-Raum gelingt die Adressierung sofort, auch wenn es sich hier um „Dirty Talk“ handelt. Hintergrundinformationen sind theoretisch verfügbar. Der Katalog liegt im Ausstellungsraum mehrfach auf den Sitzbänken bereit und es gibt zusätzlich die QR-Codes. Dennoch fühlt man sich etwas orientierungslos. Man verlässt den Ausstellungsraum, mit dem Gefühl etwas verpasst zu haben, man weiß nur nicht so genau was.

Schirn Up - Bloggertreffen zur Jeff Koons-Ausstellung, Foto: Tine Nowak

Fazit:
Ein großes Projekt. Die Idee Malerei und Skulptur zu trennen, ist aufgrund der unterschiedlichen Orte schlüssig nachvollziehbar, wobei die nüchterne Ausstellung in der Schirn im sinnlichen Vergleich mit dem Liebieghaus verlieren muss. Beides sind keine Koons-Ausstellungen für Anfänger, im Sinne von großen werkumfassenden Überblicksschauen. Am Besten fährt man zunächst zur Fondation Beyeler nach Basel, die noch bis 2.9.2012 ebenfalls eine Jeff Koons-Ausstellung zeigt. Chronologisch geordnet werden dort drei wichtige Werkgruppen präsentiert (PDF Saalheft). Danach sollte man nach Frankfurt kommen und kann viel besser verstehen und genießen, was hier ganz anders gemacht wurde.

Schirn Up - Bloggertreffen zur Jeff Koons-Ausstellung. Foto: Tine Nowak

Tweet Up im Museum
Die Kunsthalle Schirn ist experimentell beim Erproben von Formaten des Online-Marketings ihrer Ausstellungen. Zur Koons-Ausstellung wurde erstmals zu einem Bloggertreffen eingeladen, abends fand zudem ein Tweet Up im Museum statt, bei denen die Besucher live mittwittern konnten statt nur zuzuhören. Die Fotos des Blogbeitrags stammen von diesem Bloggertreffen und dem mit „KultUp“ betitelten Tweet Up am Abend. Dies muss deswegen extra erwähnt werden, da Privatbesucher nicht in den Koons-Ausstellungen fotografieren dürfen. Das hatte ich selbst bei der Ausstellungseröffnung erlebt. Kaum hatte ich im Liebieghaus meine Kamera in die Hand genommen, wurde ich vom offiziellen Fotografen angesprochen, mit den Hinweis, dass ich nicht fotografieren dürfe. Auch mein Vorschlag, dass ich mir eine Fotoerlaubnis holen könne, wurde von ihm als aussichtslos abgewehrt. Hier haben Blogger ein Vorteil, denn diese dürfen, wenn sie sich vorab an die Presseabteilung wenden, auch fotografieren.

Schirn Up - Bloggertreffen zur Jeff Koons-Ausstellung, Foto: Tine Nowak

Schirn Up - Bloggertreffen zur Jeff Koons-Ausstellung, Foto: Tine Nowak

Kult Up im Liebieghaus in der Ausstellung "Jeff Koons - The Sculptor", Foto: Tine Nowak

Kult Up  zur Jeff Koons-Ausstellung im Liebieghaus, Foto: Tine Nowak
Kult Up im Liebieghaus. Führung mit Kurator Vinzenz Brinkmann durch die Ausstellung "Jeff Koons - The Sculptor", Foto: Tine Nowak

Kult Up im Liebieghaus in der Ausstellung "Jeff Koons - The Sculptor", Foto: Tine Nowak

Kult Up im Liebieghaus in der Ausstellung "Jeff Koons - The Sculptor", Foto: Tine Nowak

Kult Up  zur Jeff Koons-Ausstellung im Liebieghaus, Foto: Tine Nowak

Teil 1: Blog me up, Scotty
Teil 2: Koons in Frankfurt

Blog me up, Scotty

Museen und Kunsthallen: Elfenbeintürme sind sie nicht, vielleicht aber so etwas wie Raumschiffe? Und diese machen sich nun vereinzelt auf zum Kontakt: mit der noch unbekannten Spezies des Bloggers.

Schirn Up - Bloggertreffen zur Jeff Koons-Ausstellung, Foto: Tine Nowak

Meet up. Schirn up. Koons up. Kunst im Blog – Bloggertreffen in der Schirn Frankfurt

Letzte Woche lud die Kunsthalle Schirn zu einem Bloggertreffen (#SchirnUp). Es wurden einige Blogger vorab angefragt, man konnte sich auch selbst akkreditieren. Am gleichen Tag wurde im Anschluss ein Tweet up in Zusammenarbeit mit Ulrike Schmid und Tanja Neumann von KultUp (#KultUp) veranstaltet. Unter den jeweiligen Hashtags waren die Veranstaltungen live im Web via Twitter mitzuverfolgen (sofern die Technik dies zuliess). Ein Storify hierzu findet sich hier, ebenso gibt es einen Blogpost mit einer Auswahl der Tweets. Für das Bloggertreffen waren drei Kurz-Vorträge angesetzt: von der Journalistin Mercedes Bunz, vom Kunstblogger Matthias Planitzer und vom Schirn-Team (Luise Bachmann, Fabian Famulok und Carolyn Meyding). Zudem hatte das Schirn-Team vorab einige Fragen zum Treffen formuliert:

Welche Bedeutung haben Blogs im Kunst- und Kulturbereich? Treten Blogs aus dem Schatten etablierter Kunstmagazine hervor? Wie können sich Kunst- und Kulturinstitutionen besser mit Bloggern vernetzen?

Schirn Up - Bloggertreffen zur Jeff Koons-Ausstellung, Foto: Tine Nowak

Das Ergebnis des Schirn Up lässt sich mittlerweile in mehreren Blogs nachlesen (Linkliste s.u.). Die Wahrnehmung, bzw. Bewertung ist ebenso unterschiedlich wie die Zusammensetzung der Blogger, die an diesem Nachmittag in die Schirn gekommen waren. Die wenigsten waren Kunstblogger. Vielmehr gab es eine recht große Anzahl von Bloggern aus Museen und dem Kulturmanagement-Bereich, weiterhin aus dem groben Themenbereich von „Mode-Lifestyle-Urbanes Leben“. Zudem waren auch mehrere Blogger da, die die bewährte Journal- und Notizbuch-Tradition im Blog pflegen.

Da ich schon bei einigen Blogger-/Produser-Konferenzen (1 / 2 / 3 / 4 / 5) war, hatte ich mir von der Veranstaltung zunächst eine solche erhofft, wobei recht schnell deutlich wurde, dass Bloggertreffen letztlich genau die richtige Umschreibung für den Event war. Die inhaltliche Debatte, welchen Platz sich Kunstblogs gerade in der Blog- oder Kunstmagazinlandschaft eroberten, war eher peripher von Interesse. Das Presse- und Online-Team der Kunsthalle Schirn wollte vielmehr kennenlernen, was die Bedürfnisse, Wünsche, Anregungen von Bloggern und Bloggerinnen für ein produktives Miteinander wären. Das ist durchaus legitim (urteilt meine Blogger-Seele milde), gar ein Schritt in die richtige Richtung (jubelt die engagierte Museumsfrau in mir), doch könnte man den Charakter des Treffens bei einem womöglich nächsten Mal noch deutlicher herausstellen. Dass die Schirn- und Liebieghaus-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit einer Charme-Attacke auf die versammelte Bloggerschar zielte, fand ich persönlich symphatisch. Für manchen Blogger war das vielleicht schon ein bißchen zuviel, denn soviel Umarmung ist man nicht gewohnt und es weckt mitunter Misstrauen als ehrenamtliches PR-Werkzeug betrachtet zu werden.

Schirn Up - Bloggertreffen zur Jeff Koons-Ausstellung, Foto: Tine Nowak

Eins Vorneweg: Ich habe mich auf Mercedes Bunz gefreut, ich habe sie bisher zweimal sprechen hören. Einmal bei einer Podiumsdiskussion bei der re:publica 2007, sowie bei der re:publica 2012. An den letzten Vortrag erinnere ich mich gerne, denn zum Ende plädierte sie dafür, zu den Blogs zurückzukehren. Wir hätten sie zu schnell aufgegeben und seien zu anderen Plattformen abgewandert als Blogs plötzlich zu populär wurden. Wir sollten aber unsere Plattformen besser verteidigen, statt sie den anderen zu überlassen. Etwas, was für mich schon zum Motto für 2012 geworden ist.

Die Vorträge in der Schirn waren jeweils auf 30 Minuten angesetzt. Mercedes Bunz begann mit dem Hinweis, dass Museen nach Kinos mittlerweile die meistbesuchten Freizeitorte seien. Orte, die sich geöffnet hätten, es aber nun die Frage bleibe, für welches Publikum. Drehe sich alles nur noch um das zahlende Publikum und ginge diese Entwicklung nicht mit dem Verlust von Niveau einher? (Mit der Frage der Kommerzialisierung von Museen hatte sie sich erst kürzlich in ihrem Blog beschäftigt)

Auf Blogs fühle man sich mit Leuten verbunden, obwohl man sie nicht kenne. Bloggen führe zudem dazu, anders zu sehen und zu fragen.

Der Blick schweift geschärft durch die Welt (Mercedes Bunz)

Bunz verdeutlichte dies mit einem Beispiel. Auch heute noch würden neue Lebensformen weiterhin gezeichnet. Man betrachte die Lebensform beim Zeichnen genauer und entdecke dabei mehr als das, was ein noch so genaues Foto darstellen könne. An diesem Punkt fragte sie ins Publikum, wie oft wir Bloggen würden. Einmal die Woche? Mehr? Weniger? Bloggen sei eine Selbstverpflichtung, wobei sie zugab, dass das Bloggen bei ihr durch Twitter abgenommen habe. Bloggen sei „Do It Yourself“ und dieses DIY sei mittlerweile eine offizielle Geste der Gesellschaft. Kulturblogger säßen genau auf dieser Schnittstelle. In Zeiten, in denen es diese „Facebook-global-wir-sind-alle-Freunde“-Attitüde gebe (hier der Link zum im Vortrag gezeigten Video), nähme man sich durch Bloggen immerhin noch gegenseitig wahr.

Einige Kulturinstitutionen widmeten sich exzessiv der Digitalisierung, z.B. die Tate. In England gäbe es weniger Berührungsängste zu modernen Technologien. Die Tate betreibe eifrig Video-Channels, habe mehrere Blogs, sowie diverse Apps. Aber auch privaten Blogs agierten mit artifiziellem Gestus: Unhappyhipsters.com spiele mit moderner Architektur, welche den Menschen aus seiner natürlichen Umgebung verdrängt habe. Mondo-blogo.blogspot.de sei ein Blog mit manischen Phasen, voll visueller Eindrücke. Lepetitechomalade.com imitiere Modeblogs, indem Fotos aus diesen nachgestellt und somit künstlerisch bearbeitet würden. Wiederverwertung sei eine zeitgemäße Form von Kultur, so dass diese Blogs für Mercedes Bunz selbst künstlerische Arbeiten darstellten.

Zum „geschärften Blick“ kam eine Nachfrage aus dem Publikum: Wo die Abgrenzung zu Journalisten sei, die ja ebenfalls „geschärft“ ihre Umwelt wahrnähmen. Mercedes Bunz erklärte, dass Journalisten auf den Nachrichtwert von Ereignissen fokussiert seien. Wenn dieser nicht vorläge, käme das Ereignis nicht als Nachricht vor. Blogger und Twitterer seien hingegen Interessensvertreter ihrer selbst.

Blogger sind fleißige Bienchen (Mercedes Bunz)

Schirn Up - Bloggertreffen zur Jeff Koons-Ausstellung, Foto: Tine Nowak

Auf Matthias Planitzer war ich neugierig, er betreibt seit 2009 das Kunstblog Castor & Pollux und ist im Juni mit dem Lead-Award in Bronze dafür ausgezeichnet worden. Über dieses wollte er aber nicht sprechen, so begann er seinen Vortrag, er fürchtete, dies würde langweilen. Sein Vortrag hieß stattdessen „Das Blog, die Galerie und die Institution“ (PDF online).

Zunächst zeigte Planitzer jedoch noch an eigenen Erfahrungen das Spektrum auf, mit dem man als Blogger konfrontiert werden könne, wenn man zu zeitgenössischer Kunst schreibe. Beispiel 1 verdeutlichte die Hürden: Bei einer Kunstausstellung eines Freundes habe er einen Blogartikel geschrieben, für diesen fragte er ein Pressebild bei der Galerie an. Von der Galerie kam keine Antwort, sein Freund selbst habe ihm das Bild auch nicht geben wollen. Panitzer musste den Text ohne Foto im Blog veröffentlichen. Fotos und Bildrechte seien typische Herausforderungen für Kunstblogger. Das zweite Beispiel zeigte hingegen unerwartete Möglichkeiten: So sei er 2011 mit weiteren Bloggern zur Pressekonferenz der zweijährigen Partnerschaft zwischen VW und dem MoMA // MoMA PS1 nach New York eingeladen worden.

Der Rest seines Vortrags kann man detaillierter dem Factsheet-PDF entnehmen, hier ging es hauptsächlich darum, welche Vorteile Blogs Kulturinstitutionen böten. Dies war nun speziell für mich nicht ganz so spannend, denn damit kenne ich mich und auch andere Anwesende (die ungeahnt ihrer Anwesenheit vor Ort als best practice-Beispiele erwähnt wurden 1 / 2) ganz gut aus. Hier wäre der Moment gewesen, an dem ich mir mehr eigene Eindrücke als Kunstblogger gewünscht hätte, denn wann immer er sich hierauf besann, war es stets spannend zuzuhören. Eines habe ich noch gelernt: nämlich das Museen Blogger in der Regel schätzen, während Galerien ihre Künstler vor Bloggern mitunter schützen. Wer hätte das gedacht?

Ein kleiner Nachtrag: Als ich den Bloggerevent des MOMA recherchierte, bin ich auf zwei Videos des ebenfalls eingeflogenen MC Winkels gestossen (wusste gar nicht, dass der noch aktiv ist). Nach den man sich diese angeschaut hat, verspreche ich, kann man das Thema „Blogger Relations“ für den deutschsprachigen Museumsraum vorerst ziemlich entspannt betrachten, da ist man doch noch weit entfernt. Wer genau hinschaut, findet auch Matthias Planitzer.

Schirn Up - Bloggertreffen zur Jeff Koons-Ausstellung, Foto: Tine Nowak

Im letzten Teil des Nachmittags wurde die Online-Aktivität der Schirn vorgestellt, angefangen damit, dass sich Blogger zu Pressekonferenzen akkreditieren und Bildmaterial für Blogposts anfragen könnten bis zu Online-Aktionen, wie u.a. dem Schirn Circle, der zur Geheim-Ausstellung gegründet wurde. Zudem gibt es auch das SCHIRN MAG, ein Kunstmagazin der Kunsthalle Schirn.

Es fallen viele Geschichten an in einer solchen Institution. Im SCHIRN MAG ist Platz für diese Geschichten (Fabian Famulok, Online-Redakteur)

Viele Leser kämen über Facebook, diese würden Facebook anscheinend wie einen RSS-Reader nutzen. Das SCHIRN Mag verstehe sich selbst als Magazin und nicht als Blog, wobei man sich durchaus mehr Leserinteraktion in den Kommentaren wünschen würde.

Hier beginnt aber eine grundsätzliche Frage, wie ein Online-Magazin mit anderen Onlinern agieren möchte. Im Selbstverständnis des Magazins funktioniert das bisher noch nach dem klassischen Sender-Prinzip. Einer – das Magazin – sendet, die anderen – die Leser – empfangen. Als Rücklaufkanal wird wohl ein Kommentarfeld angeboten, aber warum sollte man einer unpersönlichen Institution antworten? Geht denn die Institution in die Blogs anderer? Kennt sie die Blogs/Seiten ihrer vermeindlichen Leser? Liest sie, was dort die Blogger bewegt, kommentiert sie zurück?

Schauen wir uns das SCHIRN Mag doch einmal genauer an: Geht man in den Quelltext stellt man recht schnell fest, dass hier WordPress, also ein klassisches Blog-Redaktionssystem, verwendet wird. Tatsächlich sagt dies noch lange nichts darüber aus, ob die Seite auch als Blog genutzt wird. Es gibt mittlerweile viele Webseiten, die auf WordPress basieren und denen man dies kaum bis gar nicht ansieht (z.B. Webseite MfK Nürnberg). Es sind andere Dinge, die ein Blog ausmachen, damit meine ich gar nicht die Fokussierung auf persönliche Meinung, sondern das oberste Kriterium ist die zeitliche Taktung und die Referenzierbarkeit der einzelnen Beiträge. Im Blog wird chronologisch veröffentlicht, im Idealfall gekoppelt mit der Möglichkeit der Interaktion (Kommentarfeld). Zudem gibt es Kategorien und /oder ein Archiv. Erst später sind Kanäle zur Verbreitung der Blogposts (RSS, Social Media) und Verschlagwortung dazugekommen. Schaut man sich unter dieser Vorgabe das Schirn Magazin an, wird recht deutlich, dass wohl die Eigenwahrnehmung, die eines Magazins ist, aber von all dem was schon da ist, wir es mit einem Blog zu tun haben. Ein Blog kann ja auch all das sein: Tagebuch, Magazin, Notizbuch, Müllhalde oder ein wunderbares Kunst-Feuilleton. Interaktion und Partizipation bedarf jedoch Augenhöhe, wenn es sein muss, gerne auch mit Katzenbildern.

KultUp mit Cat Content in der Jeff Koons-Ausstellung im Liebieghaus, Foto: Tine Nowak

Weitere Blogposts zum Schirn Up (Auswahl)

Nachher:
02.08.12 – Antje (Green Pink Orange): Jeff Koons. The Sculptor…even more Details
01.08.12 – Jenni Fuchs (Museum Diary): Meet Up. Tweet Up. Koons Up. – Part 2
31.07.12 – Antje (Green Pink Orange): Where I met the Hipsters…SCHIRN Bloggers-Meeting in Frankfurt
30.07.12 – Tanja Neumann (Museums(t)raum): #schirnup – das 1. Bloggertreffen in der Schirn
30.07.12 – Schirn (SCHIRN MAG): Bloggertreffen #schirnup
30.07.12 – Torsten Larbig (Herr Larbig): Ach, diese Kostenloskultur (!). Reflexionen nach einem Bloggertreffen.
30.07.12 – Jürgen Fenn (Schneeschmelze): Wie ist es, Teil eines Hypes zu sein?
30.07.12 – Tabea Hein (Tabea’s Welt): [Kunst-Ausstellungen] JEFF KOONS: THE PAINTER in der Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main
30.07.12 – Christian Gries (iliou melathron): “Made in heaven”: Bloggertreffen und Tweetup zu Jeff Koons in Frankfurt
30.07.12 – Jenni Fuchs (Museum Diary): Meet Up. Tweet Up. Koons Up. – Part 1
30.07.12 – Tanja Praske (Kulturkonsorten): „SCHIRN UP – KULT UP – KOONS UP“: digital und analog – Bloggertreffen und Tweetup
29.07.12 – Laura Sodano (Nana Kitten): Meet up Tweet up Koons up – die SCHIRN lädt zum Blogger-Treffen
29.07.12 – Mr. Nameless (Media Gossip): MEET UP. TWEET UP. KOONS UP// KUNST IM BLOG
29.07.12 – Christian Henner-Fehr (Das Kulturmanagement Blog): Blogger Relations für Kulturbetriebe
28.07.12 – Philipp Franz (Rent my brain): Blogger schreiben Koonst-Geschichte
27.07.12 – Steffen Lars Popp (popp-ART): Popeye glänzt
17.07.12 – Antje (Green Pink Orange): Jeff Koons. The Painter…some Details
27.07.12 – Tanja Neumann (KultUp): KultUp (3) in Schirn und Liebieghaus – Viel Gezwitscher um Jeff Koons
27.07.12 – Jannis Plastargias (Schmerzwach): MEET UP. TWEET UP. KOONS UP
27.07.12 – Chrissy (Chrissy Wonderland): Bloggertreffen in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt ♥
27.07.12 – Robert (Heiligenschein Blog): kulturbetriebe und digitalisierung – ein teufelskreis
27.07.12 – Torsten Larbig (Herr Larbig): #Bloggertreffen und #Tweetup @Schirn @Liebieghaus in #Frankfurt – „Jeff #Koons. The Painter & The Sculptor“
26.07.12 – Harald Link (Kulturkonsorten): Twittern über Kultur und Kultur-Blogging und Koons – eine erste Analyse

Vorher:
26.07.12 – Marius Kiesgen (OKAYFRANKFURT): Meet Up Tweet Up Koons Up – Blogger- und Twittertreffen
25.07.12 – Jenni Fuchs (Museum Diary): On my way to becoming a rockstar
24.07.12 – Jürgen Fenn (Schneeschmelze): Die Einladung
24.07.12 – Ulrike Schmid (Kultur 2.0): Bloggertreffen und Blogger Relations
19.07.12 – Birgit Schmidt-Hurtienne (Kulturwirtschaftswege): Meet & Tweet: Bloggertreffen und KultUp zur Jeff-Koons-Ausstellung in Frankfurt
17.07.12 – Antje (Green Pink Orange): Bloggers Meeting – Bloggertreffen in der SCHIRN im Rahmen der Ausstellung „Jeff Koons. The Painter & The Sculptor“
15.07.12 – Judith Christina (frankfurtfashion): MEET UP. TWEET UP. KOONS UP
11.07.12 – Christian Gries (iliou melathron): Bloggertreffen und Tweetup zur Ausstellung von Jeff Koons in Frankfurt am 26. Juli 2012
09.07.12 – Tanja Neumann, Ulrike Schmid (KultUp): KultUp (3) in Schirn und Liebieghaus – Von wegen Sommerloch!

Teil 1: Blog me up, Scotty
Teil 2: Koons in Frankfurt