Documenta – Teil 1

2012_0610_Documenta8Issa Samb: „La balance déséquilibrée“ (Performance) 

Erstkontakt
Seit Samstag ist die dOCUMENTA (13) für das Publikum geöffnet. Da Kassel auf meinen Weg von Norddeutschland zurück nach Frankfurt lag, plante ich einen kurzen Aufenthalt ein. Nach der ungeliebten Autobahnstrecke durch die Kasseler Berge kam eine Pause gerade recht. Ziel des Besuchs war die Karlsaue. Der Park wird bei der Documenta stärker bespielt, hieß es in Presseberichten. Dies wollte ich mir nun anschauen.

2012_0610_Documenta1Ida Applebroog: „I SEE BY YOUR FINGERNAILS THAT YOU ARE MY BROTHER“ (Performance)

Die Karlsaue
Das erste Mal war ich 1992 als Schülerin bei der Documenta. Später kam ich mit einer Exkursionsgruppe des Frankfurter Kunsthistorischen Instituts zurück. Wir waren in historischen Gartenanlagen bei Kassel, Weimar und Dessau unterwegs. Zu Kassel als Stadt kann man sagen, was man will, aber die historischen Gärten in und um Kasssel herum sind – sofern man dafür ein Faible hat – jederzeit einen Besuch wert. In der Karlsaue ist Radfahren untersagt, ebenso wie Freilauf von Hunden. Die Kasselaner ignorieren dies aber mit großer Gelassenheit. Nachahmer aufgepasst: Die Kasseler Polizei ist in der Karlsaue unterwegs, auch wenn zumindest das Radfahren temporär gedulded wird.

2012_0610_Documenta1Mobile Polizeieinheit. Keine Kunst!

Was mir gefällt:
Documenta 13, "Ansichten eines Steins"(Giuseppe Penone), Foto: Tine Nowak1. Flanieren im Park
Die Documenta findet im Sommer statt, die Verbindung zur Karlsaue liegt daher nahe. An Kunstwerke im Park erinnere ich mich über die Jahre hinweg viel intensiver als an solche in den Ausstellungshäusern. Oben am Friedrichsplatz werden die Besucher zum Strom, eine wuselige Masse. Unten im Grün vereinzelt es sich, man wird zum Mensch, zum Individuum. Durchatmen. Kunst gucken. Diese Documenta braucht durch die Ausdehnung in die Gartenanlage Zeit. Sie will mehr als einmal besucht werden. Gut so!

Documenta 13, Foto: Tine Nowak2. Kunst, die Teil des Parks ist
Am stärksten sind für mich die Kunstwerke, die als Eingriff in die Natur und in den Park funktionieren. Ob Tsunami, Bienenwiesen oder Schutthügel. Hiervon gibt es noch mehr, längst habe ich bei meinem zweistündigen Spaziergang im Park vieles nicht gesehen. Die Künstlerhütten sind sehenswert, sie strukturieren den Spaziergang durch den Park. Meine Favoriten brauchen alle keine Hütte, sondern sind selbst Teil der Karlsaue. Wenn auch nur für einen Sommer.

Documenta 13, Foto: Tine Nowak3. Die mobile Documenta-Belegschaft
Dadurch, dass die Künstlerhütten und -pavillons betreut ist, sind oft Documenta-Mitarbeiter radfahrend in der Karlsaue präsent. So viele Mitarbeiter in so kurzer Zeit hatte ich bisher noch nie gesehen. Besonders sympathisch wirken dabei die stabilen Dreiräder der mobilen Putzfrauen und -männer, die die im Park verteilten Klocontainer im Turnus anfahren.

Manko:
Es ist aufwendig vorab einen Besuch auf die eigenen Interessen und Wünsche abzustimmen. Die Documenta-Webseite ist ästhetisch hübsch, sehr aufgeräumt. Sie orientiert sich aber in der Nutzerführung nicht unbedingt an den Bedürfnissen von Besuchern, die ja zum großen Teil Tagestouristen sind. Sie ist weit mehr wie ein Archiv aufgebaut, in dem sich immer mehr miteinander verknüpft, allerdings tröpfeln die Informationen nur langsam nach. Klickte man z.B. beim Ottoneum gestern auf die verknüpften Termine, führten die Links noch ins Leere. Work in progress? Heute funktioniert es nun.

2012_0610_Documenta6Shinro Ohtake: „Mon Chérie: A Self-Portrait as a Scrapped Shed“

Vor dem Besuch: Infomaterial im Internet
Zur Vorab-Information hatte ich mir die Webseite der Documenta angeschaut. Die Spielstätten sind aufgeführt, auch mit einem Infotext, aber welche Künstler einen an diesem Ort erwarten oder gar ein Plan ist nicht vorhanden. Von Documenta-Seite wird anscheinend von den teilnehmenden Personen her gedacht. Das heißt, die Webseiten-Besucher können den Namen eines Documenta-Teilnehmers oder -Teilnehmerin aufrufen, dort ist dann ein Ausstellungs- oder ein Veranstaltungsort mit aufgeführt.

In der Seitennavigation findet sich jedoch der Punkt dMaps, was hoffen ließe, dass hier doch noch Karten zu finden seien. Hierunter verbirgt sich eine Weiterleitung zum App-Store für iPhones und Android-Handys, sowie zur Seite der Sparkasse, welche die dMaps mitfinanziert hat. Auf der Sparkassenseite finden sich auch Infos zur Documenta und ein Video zur App, aber kein Kartenmaterial direkt im Web. Wieder gibt es Links zu den Appstores, wo die App kostenlos erhältlich ist.

Über Twitter hatte ich mitbekommen, dass der Hessische Rundfunk als Medienpartner Karten angelegt hat. Auf dem iPad konnte ich die HR-Seiten aufrufen und bequem durchnavigieren. Das hat insgesamt gut funktioniert und ist für einen ersten Überblick sehr nützlich. Die HR-Karten zeigen allerdings nur ausgewählte Kunstwerke. Es hätte einen großen Mehrwert, wenn man alle Kunstwerke kartiert wären, auch wenn es dazu gar keine weiteren Informationen gibt. So könnte man als Besucher schon vorab überlegen, auf welchen Weg durch die Karlsaue man am meisten sieht. Noch erwecken die HR-Karten ein bisschen den Eindruck als gäbe es hier auch nicht mehr zu sehen, was sehr schade ist. Nichtsdestotrotz war dies die Informationen im Web, welche für mich am Nützlichsten in der Vorbereitung des Besuchs waren.

2012_0610_Documenta5Julieta Aranda and Anton Vidokle: „Time/Bank, 2009–ongoing“

In der Karlsaue: Infomaterial vor Ort
In dem Documenta-Container neben der Orangerie waren Flyer mit Kartenmaterial umsonst erhältlich. Hier sind sehr übersichtlich die Veranstaltungsorte gelistet und kartiert. All die Infos, die ich vorab gesucht hatte: nun in Papier in meiner Hand. Warum dieser Flyer nicht als PDF auf der Webseite zu finden ist, bleibt mir rätselhaft. Documenta 13, Karte, Foto: Tine Nowak Für den Rundgang in der Karlsaue war diese Karte mein wichtigster Begleiter. Der kostenlose Documenta-Flyer listet Ort, Titel und Name der Kunstwerke. Viele Kunstwerke in der Karlsaue sind in funktionalen Künstlerhütten untergebracht. Diese sind nummeriert, zudem findet sich immer ein Schild mit Titel und Kunstwerk und ein erläuternder Satz in deutsch und englisch. Selten ist mehr an Information vor Ort zu finden, außer es ist integraler Teil der Kunst. Zum Nachschlagen für weitere Informationen wollte ich mein Smartphone nutzen.

Ich steuerte auf der Suche nach Informationen die bewährte Seite des HR an. Doch am Android ist die Nutzbarkeit der interaktiven Karten gering. Leider ist die Grafik anscheinend nicht für die Mobilnutzung am Smartphone angelegt. Um zur Karte der Karlsaue zu kommen musste man zum Documenta-Portal des HR, dort zu Tour, dann zur  jeweiligen Karte, dann kann man das Kunstwerk laden. Bis zum Kunstwerk hatte ich drei Seiten geladen. Das dauerte, trotz bester Signalstärke. Wollte man sich das nächste Kunstwerk anschauen, kam man nicht zurück zur Karlsaue-Karte, sondern musste beim Documenta-Portal die ganze Prozedur neu beginnen.

Auch die dMaps waren in der Karlsaue in diesem Moment keine Hilfe. Diese hätte ich zuvor downloaden müssen. Die App ist über 28 MB groß und über 1 GB an Daten werden nachgeladen. Für die Nutzung vor Ort via mobiles Internet ist dies nicht praktikabel. Merke: dMaps vorher auf das gewünschte Mobilgerät laden. In der dMAPS-Station neben dem Hauptkartenschalter am Friedrichsplatz gibt es die Möglichkeit Fremdgeräte mit der App zu leihen. Das kostet 3 Euro. Leider war ich schon im Park unterwegs und wollte dafür meine knappe Zeit nicht opfern. Beim nächsten Besuch sind aber die dMaps mit dabei und ich bin gespannt, wie gut sich damit der Kunstparcours der Documenta 13 navigieren lässt.

2012_0610_Documenta10Auf der Treppe zur Karlsaue: „Auch keen Plan!“

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