Facebookspiel im Praxisversuch

Eigentlich noch für Dezember als Abschluss des Themenblocks 2 im Facebookseminar geplant, war dann heute das „Facebook spielen“ an der Reihe. Ursprünglich wollten wir hierfür das Incluso-Spiel einsetzen, welches als Planspiel zum Start von Facebook für Einrichtung in der Jugendarbeit konzipiert worden war. Da die Spieldauer mit 2,5 Stunden angesetzt ist und die Spielkarten nur auf Englisch vorhanden sind, schaute ich mir heute zum Vergleich noch das neu erschienene „Facebookspiel“ des DGB Bildungswerks an. Der Vorteil hier liegt allein schon in der Spielzeit von 1-1,5 Stunden. Außerdem sind auch hier die Materialen online zum Ausdrucken oder Downloaden unter einer Creative Commons Lizenz bereitgestellt. Das Spielziel ist jedoch ein anderes: es geht viel mehr um einen analogen Erstkontoktakt, der einen Eindruck der Facebookpraktiken und der damit verbundenen sozialen Dynamiken vermitteln soll. Während Incluso einen schönen Abschluss gebildet hätte, passt das „Facebook-Spiel“ sehr gut als Auftakt von Themenblock 3 mit Facebook-Diskursen, beginnend mit dem Thema „Beziehungen/Freundschaft“.

Nochmal kurz zum Vergleich:
Incluso-Game (2010)

  • In Englisch/Niederländisch
  • Thema: Planspiel zum Start von Facebook in Einrichtungen der Jugendarbeit
  • Dauer: 2,5 Std.
  • Download in div. Formaten (Word/PDF, Psd, Excel)
  • gestaltete Spielkarten in Visitenkartengröße
  • Ausdruck auf Visitenkartenpapier möglich o. via Online-Druckerei
  • Creative Commons Lizenz (Attribution-ShareAlike 3.0 Unported License)

Facebook-Spiel (2012)

  • In Deutsch
  • Thema: Analog-Simulation um soziale Dynamiken von Facebook offline kennenzulernen
  • Dauer: 1-1,5 Std.
  • Download als ODT oder PDF, Bilder als JPG (im Zip-Ordnern)
  • gestaltete Profilbögen. Jedoch Bilder für Profilbild und Karten müssen noch individuell angepasst werden. Aktionskarten müssen noch gestaltet werden (nur als ODT/PDF-Frageliste vorhanden). Hier ist für die Fertigstellung noch extra Zeit einzurechnen.
  • Creative Commons Lizenz (CC-by-sa-Lizenz)

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Vorbereitung des Facebookspiels
Nach der Angabe auf PB21.de dauert das Facebookspiel ca. 1 bis 1,5 Stunden. In der Seminarzeit von 1,5 Stunden ist das Spiel zusätzlich mit Reflexion und Diskussion zeitlich nicht realisierbar. Aus diesem Grund entschied ich mich im Seminar nur Runde 1 und 2 zu spielen und den weiteren Verlauf in den Spielregeln gemeinsam mit den Studierenden zu lesen und zu diskutieren. Zur Vorbereitung des Spiels standen vier Stunden zur Verfügung, wobei ich 30 Minuten allein zur Entscheidungsfindung brauchte, welches der beiden Spiele nun genutzt werden soll. Drei Stunden Zeit benötigte der Ausdruck und Tackern der Spielmaterialien (Regeln, Profil, Gruppenblätter, Statuspyramide), Profilbilder und -karten (für 20 Studierende), zudem mussten Profilbilder und -karten noch ausgeschnitten werden. Für das Gestalten der Aktionskarten wäre keine Zeit mehr geblieben. Den Zeitaufwand hatte ich hier auf jeden Fall unterschätzt, gestaltete Spielkarten (vgl. Incluso) wären hier von Vorteil.

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Der Spielverlauf
Mit 13 Spieler/innen starteten wir dann das Spiel: Jeder holte sich ein Papierprofil ab, musste sich ein Profilbild aussuchen und aufkleben, zudem Name und Infos im Profil vermerken. Als Sonderaufgabe gab es (in Anlehnung an die Aktionskarten, die in dieser gekürzten Version nicht zum Einsatz kamen) den Arbeitsauftrag eine kurze Statusmeldung auf die Rückseite des Profils zu schreiben. Die Profilbögen wurden auf einem großen Tisch ausgelegt und die Spielteilnehmer/innen sollten nun fünf Profilkarten an die Profile verteilen (vergleichbar mit einer Freundschaftsanfrage) und ggf. auf die Statusmeldung auf der Rückseite mit einem Like oder einen Kommentar reagieren. Zum Schluss habe ich die Bögen eingesammelt und die Freundschaftsanfragen gezählt, welche wir mit der Statuspyramide abgeglichen haben. Hier muss natürlich die Skala nach unten korrigiert werden, da mit 13 Teilnehmer/innenen keine 15 Profilkarten gesammelt werden konnten. Nichtsdestotrotz erhielten wir eine gestaffelte Verteilung der Freundschaftsanfragen, wobei auffiel, dass die Profile, die wenig bis keine Angaben gemacht haben, am wenigsten Anfragen erhielten.

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Diskussion/Reflexion
Nach dem Lesen der Spielanleitung sollten die Studierenden eine blitzlichtartige Einschätzung des Spiels abgeben, wobei Top, Flop und OK (mit Modifizierungen) zur Auswahl standen. Sechs Studierende fanden das Spiel Top, 6 Studierende fanden es OK (mit Modifizierungen) und einmal gab es einen Flop als Bewertung. Die Begründung für die Negativbewertung und Start in die Diskussion war, dass nach anfänglicher Begeisterung immer deutlicher geworden sei (welches sich durch das Lesen der Anleitung bestätigte), dass das Spielziel das Sammeln von Kontakten und dies kein erstrebenswertes Ziel sei, wenn man die Funktion von Facebook vermitteln wolle. Die Studierenden wurden sich schnell einig, dass bei der Vermittlung von Facebook auf die Qualität der Beiträge und Interaktionen und nicht auf die Quantität der Freunde fokussiert werden solle. Gerade das Sammeln von Freunden könnte bei Facebook-Neulingen gar Vorurteile zementieren.

Das Ausfüllen des Profils auf Papier würde sich gut für Jugendlich ab ca. 13 Jahren eignen, allerdings wäre genau hier notwendiger das Thema Datenschutz spielerisch umzusetzen. Als Rückschluss aus dem Gesprächsverlauf wurde eingeworfen, dass das Spielen mit Jugendlichen und Erwachsenen dann sinnvoll wäre, wenn diese auch wirklich in der Lage seien den Spielverlauf zu reflektieren, wodurch die Reflektion im Vergleich zum Spiel aufgewertet würde, weil ja diese dann das eigentlich Spielziel sei. Exklusion wurde thematisiert, da durch die Profile und Freundschaftsanfragen schwelende Konflikte oder Ausgrenzungen u.U. sichtbar gemacht würden, hier gab es den Vorschlag der Anonymisierung, andere argumentierten, dass ja auch die Aktionskarten vorhandene Dynamiken außer Kraft setzen könnten und dass der Spielleiter zudem eine nicht zu unterschätzende Funktion der Steuerung ausüben könne. Die Studierenden haben im Gespräch für eine offenere Nutzung des Profilfelder votiert, da die Angaben mit TV-Formaten, Fußball-Club und Parteien zu sehr einschränken würden. Die Analogisierung durch das Spiel wurde als gute Idee beurteilt, da diese einen guten Einstieg in die Materie bieten könne. Insbesondere für ältere Nutzer/innen oder auch für Schulungen in Firmen könne sich das Facebookspiel als Methoden eignen.

Fazit
Sehr gute Ausgangsidee, aber noch ausbaufähig. Kürzere, weniger komplizierte Spielstruktur für Jugendliche wären bei einer Überarbeitung sinnvoll, mit Fokus auf Identitätsmanagement oder Datenschutz. Die Statuspyramide als Zielspiel erschien uns in diesem Setting wenig erstrebenswert, wenn nicht sogar kontraproduktiv.

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Disclaimer
Das Spiel wurde nicht exakt nach Spielanleitung gespielt, sondern verkürzt umgesetzt und aus diesen Gründen auch leicht modifiziert. Dies hat sicherlich Einfluss auf die Diskussion, wobei die Diskussion angeregt und konstruktiv verlief, mit einem Impetus des Überlegens, wie sich das Facebookspiel optimieren ließe.

(Zuerst veröffentlicht auf: SoMeBildungsblog)

Facebook in der sozial-/pädagogischen Praxis

PraktikerInnen zu Besuch im Seminar. Foto: Andreas Rickert-Lützen
Kein Grauen, viele Grauzonen

Diese Woche hatten wir in das Seminar Praktiker/innen aus der sozial- und medienpädagogischen Praxis ins Seminar eingeladen, um zu hören, wie sie Facebook, in ihr professionelles Handeln integrieren. Madita Lammers, Ullich Steybe und Gregory Grund haben über ihre Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Lehrern, Eltern und Projektpartnern berichtet und mit uns über die daraus resultierenden Fragen diskutiert. „Facebook in der sozial-/pädagogischen Praxis“ weiterlesen

Educamp auf der gruenen Wiese – Teil 3

Educamp Ilmenau - Sessionplan für Sonntag, Foto: Tine NowakZurück in Ilmenau. Wieder Sonne, wieder Herbstwald und grüne Hügel. Der Campus der TU Ilmenau ist verwaist, denn die meisten haben sich schon auf die Sessionräume verteilt als wir ankommen. Wir sind etwas zu spät und nur noch zu Zweit. Ines Kadler-Neuhausen bleibt derweil im Foyer und mischt sich unter die Educamper/innen im Foyer, um sich auszutauschen. Mein Ziel ist der Raum „Geistesblitz“.

10.30 Uhr
Visuelle Medien, Conceptboards, Tablets, Smartboards
(Etherpad-Doku)
Christian Schröder von Conceptboard stellt das browserbasierte Tool vor, welches sich zum kolaborativen Arbeiten in Gruppen eignen soll. Warum solle man aber diese andere Software nutzen, wenn man schon Smartboards in der Schule habe, lautet eine Frage aus der Sessionrunde. Schröder antwortet, dass sich Conceptboard insbesondere zum Weiterarbeiten Zuhause eigne. Dies nimmt ein TeilnehmerTeilgeber aus der Sessionrunde auf, er sähe den Vorteil auch darin, dass das Conceptboard wohl auch plattformübergreifend genutzt werden könne. Bei dem letzten Educamp habe es die „Bring your own Decvice“-Debatte gegeben, so Schröder, die es bei diesem Educamp bisher gar nicht mehr aufkam, genau hier siedele sich jedoch das Conceptboard an. Eine Lehrerin aus der Runde hat Conceptboard schon benutzt und bestätigt, dass gerade die Weiterbearbeitung außerhalb der Schule sehr gut genutzt worden sei. Könne man mit dem Tool nur online arbeiten oder wären auch Offline-Anwendungen möglich, so eine Frage der Sessionrunde. Derzeit ist das nicht möglich und Christian Schröder glaubt nicht, dass Schulen derzeit in größerer Zahl in der Lage wären eigene Concept-Server zu hosten.

11.30 Uhr
Bildung braucht Ermutigung
(Etherpad zur Session)
Corinna Lammert ist Lehrerin an einer staatlichen Schule in Niedersachsen und zudem Ermutigungstrainerin. Das Prinzip der Ermutigung stammt von Alfred Adler.

Ermutigung ist eine Haltung, im Menschen das Positive zu sehen. (Alfred Adler)

Educamp Ilmenau - Sammlung Ermutigendes in der Bildung, Foto: Tine NowakMan ist zunächst nicht in einer Session gestrandet, sondern plötzlich auf einer Insel. Alle Session-Teilnehmer/innenTeilgeber/innen sollen sich überlegen, was ihre Eigenschaft wären, um das Überleben der Gruppe auf einer einsamen Insel zu sichern. Die Bewusstmachung von eigenen Qualitäten sei die Basis der Ermutigungspädagogik, so Corinna Lammert. Nachdem sie die Haltung der Ermutigung kurz zusammengefasst hat und Beispiele von Ihren Schüler/innen erzählt hat, öffnet sie die Diskussion in die Gruppe, da ihr die politische Debatte um diesen Ansatz für Bildung wichtig ist. Ines Kadler-Neuhausen berichtet, dass eine Erfahrung aus Ihrer Arbeit mit Studierenden der sozialen Arbeit sei, dass der Einstieg ins Lernen besonders gut über persönliche Geschichte funktioniere, dies gelte jedoch nicht nur für die Hochschule, sondern auch für für die Schulen und unterschiedliche Fächer. Eine Teilnehmerin aus der außerschulischen Bildung merkt an, dass es ja schon verschiedene Methoden gäbe, die erprobt sind und funktionieren, und sie sei oft erstaunt, wenn sie mit Lehrer/innen zusammenkommt, die diese nicht kennen. Ermutigung könne auch unbequem werden, so Lammert. Denn man müsse bei sich selbst anfangen und könne dies nur weitergeben. Es käme niemand, der einem von Oben ermutige. Erst ermutige man sich selbst und dann vielleicht die Lehrerkolleg/innen, indem man weitergeben kann, was man an deren Unterricht schätze und gut fände. Zum Ende der Session benennt Corinna Lammert drei Lebensaufgaben (nach Adler): Liebe – Arbeit – Gemeinschaft. Ein Feedback der Runde: „Mir hat die Session mein Leben gerettet, es ist die erste Session, in der ich das Gefühl habe, hiermit komme ich weiter.“

Literaturempfehlung von Corinna Lammert am Ende:
– Theo Schönacker: Kunst als Familie zu leben.
– Theo Schönacker: Erfolg in der Schule


Videointerview im Anschluss an die Session (von EducampTV)

Weitere Rückmeldungen:
– Florentina Sauerbach beschreibt ihren Eindruck der Session im Blog „Die letzten Meter

13:30 Uhr
Was brauchen wir zum Lernen (Miniworkshop)
Educamp Ilmenau - Dialog: Wie lerne ich?, Foto: Tine Nowak
Kaum im Raum erklärt
Martin Butz
, dass es weniger um Lerntheorien ginge, sondern um subjektive Ansätze. Seine Idee der Session sei, dass wir gemeinsam fragen: „Was funktioniert denn? Was funktioniert gut? Was können wir machen?“. Der allererste Schritt hierzu ist, dass jede/r im Raum sich eine/n Gesprächspartner/in sucht und man sich gegenseitig berichtet: „Wann hast Du das letzte Mal was gelernt, wie hast du das gemacht?“
Martin Butz meint, jeder solle ein Konzept für sich selbst haben, was Lernen ist. Das gegenseitige Erzählen impliziere, dass man zuhöre. Das Zuhören führe zur Wertschätzung des Anderen.

Was braucht man zum Lernen/ Wie kann man lernen (Tafelbild):
Eselsbrücken, Gehirn, Lehrerfehler, Problem, Interesse, Frage, Spannendes, Zeit, Freiraum, Muße, Spazierengehen gehen, Schlaf (Kopfkissen), Eigensinn, Trotz, Ehrgeiz, Ausprobieren, Mut, Akzeptanz, Fehler, Probe, Sparringpartner, Bilder, im Kopf, Reale Bilder, Schriftbild, eigene Ziele, Zufälle, Alter, Zutrauen, Druck, Erfolg

So viele Anreize zum Lernen gibt es allein in der Sessionrunde. Nicht anders sähe es in den Schulklassen aus, so Butz. Es sei ein Wunder, dass mit den standardisierten Lernszenarien überhaupt Schüler/innen lernen könnten. Später meldet sich ein Session-TeilnehmerTeilgeber, der selbst noch Schüler ist und meint, in der Schule böten sich ihm keine der Möglichkeiten, wie im Tafelbild gesammelt. Lernen würde er dennoch, sogar gerne. Also kommt nun auch das Wort „Druck“ zur Tafel, auch wenn es nicht als bester Lernanreiz erscheint.

 

Educamp auf der grünen Wiese – Teil 2
Educamp auf der grünen Wiese – Teil 1

(Zuerst veröffentlicht auf: SoMeBildungsblog)

Educamp auf der gruenen Wiese – Teil 2

Educamp Ilmenau, Foto: Tine NowakDie Sonne scheint, der Herbst zeigt sich von seiner schönsten Seite und man mag kaum in das Universitätsgebäude zurückkehren, sondern lieber hinaus in die Natur, auf den Goethewanderweg oder in den Wald Pilze sammeln. Aber drinnen locken spannende Sessions. Wir teilen uns auf. Ines Kadler Neuhausen geht zu „Akademie 2.0“ (zum Etherpad hier) und Andreas Rickert-Lützen und ich gehen zur „Podcast“-Session von Guido Brombach.

13 Uhr
Podcasts (Session-Etherpad)
Educamp Ilmenau Podcast-Session, Foto: Tine NowakGuido Brombach spricht über Podcast-Produktion und zeigt dazu das Blog BILDUNG – ZUKUNFT – TECHNIK, das von Felix Schaumburg und ihm betrieben wird. (Hier bricht leider der Akku meines Laptops ab, wird später nachgetragen). Guido Brombach gibt seine Erfahrungen weiter, welche Programme sich für eine semiprofessionelle Podcast-Produktion eignen. Soundcloud wäre machbar, da man Kapitelmarken setzen könne. Nachteil sei jedoch, dass nur 2 Stunden Audiomaterial produziert werden könne, dann müsse man zahlen und dies könne schnell teuer werden. Audioboo sei auch ok, allerdings nur für kurze Stücke bis 5 Minuten Länge geeignet. Er empfiehlt dezidiert Instacast und Auphonic als Programme, auch Audacity sei weiterhin eine Option.

Zum Runterladen (Torrent) nennt er Bitlove und Feedburner als Möglichkeiten. Für das Blogsystem WordPress gäbe es zwei empfehlenswerte Podcast Plug-Ins: Powerpress und Podpress. Guido Brombach und Felix Schaumburg machen auf Nachfragen der Teilgeber/innen deutlich, dass sich die Ratschläge weniger für Kurzzeit- und und Kleinprojekte eignen würden, etwa für Projektarbeit mit Schüler/innen, hierfür wären andere Programme deutlich besser geeignet.

Meine nächste Session findet im Raum „Eselsbrücke“ statt und siehe da: hier gibt es Strom. Also Laptop angeschlossen zum Auftanken und zurück ins Blog.

14 Uhr
Selbstständiges Lernen
Norbert Hillebrecht ist Lehrer bei der Stadtteilschule Niendorf. Die Session beginnt er mit einem Zitat eines Schülers und der Hoffnung auf spätere Diskussion hierzu, denn seine Schüler sagen durchaus: „Ihr Unterricht ist mir zu Internet-lastig“. Er stellt zunächst kurz seinen digitalen Klassenraum bei Schulcommsy.de vor. Seine Schüler/innen bekommen keine Hausaufgaben, sondern erarbeiten Arbeitsblätter und Material. Er sieht sich weniger als Lehrer, sondern vermehrt als Lernbegleiter. Das Wort Unterricht benutzt er am liebsten gar nicht mehr, das steht für ihn für klassischen Frontal-Unterricht, er spricht lieber von Lernsituationen. Das funktioniere nicht ohne Probleme. Unser Schulsystem produziere reproduzierende Schüler, so Hillebrecht. Die Schüler/innen seien dadurch von selbstständigen Unterrichtsformen erstmal überfordert, da sie in ihrer Schulkarriere auf traditionellen Unterricht konditioniert seien. Es geht ihm um die Entwicklung von jungen selbstständigen Erwachsenen, die könne er nicht produzieren, aber begleiten. Bei der Sessionrunde sind Lehrer/innen verschiedener Schulformen anwesend und insbesondere die Durchführbarkeit eines solch „freien“ Arbeitens wird in der Diskussion aufgegriffen und durchaus mit viel Skepsis erörtert. Hillebrecht kehrt zurück zum Schulcommsy-Klassenraum und zeigt ein Wiki, welches er dort mit Schüler/innen benutzt. Die Schüler/innen können dort Wikitexte schreiben und üben u.a. korrekte Quellenangaben zu machen. Er arbeitet zudem mit einem Blog, in dem Schüler/innen zu Hamburgs Stadtteilen Texte schreiben.
Barcamp Ilmenau, Foto: Tine NowakDas Blog „Mensch in einer Welt“ (Link, jedoch nicht sichtbar) erzeugt Diskussion. Zuerst ist noch nicht klar, dass das Blog nicht öffentlich ist. Die Gefahr von Abmahnungen wird erörtert, wobei die Meinungen hierzu weit auseinander gehen. Da Abmahnungen mit hohen Kosten verbunden sein können, wird von von manchen der Sessionrunde nur ein ganz stark kontrolliertes Publizieren empfohlen – wenn denn überhaupt öffentlich und nicht nur in der geschlossenen Online-Community. Von der anderen Seite wird eingeworfen, dass zuviel Kontrolle die Motivation der bloggenden Schüler/innen mindert. Mit einem Exkurs zu Facebook bleibt die Urheberdebatte in der Session lebendig, so dass Hillebrand nicht wieder den Bogen zum selbstständigen Lernen schlagen kann. Der Wunsch freies Publizieren im Netz zu Üben und daraus resultierende Möglichkeiten zum (ungewollten) Rechtsverstoß sind derzeit Hürden, die für die Medienbildung dringend geklärt werden müssen, damit man die kreativen Potentiale der Medienpraxis für Bildung vollends ausschöpfen kann.

15.30 Uhr
Etherpads @Hochschule
Barcamp Ilmenau Etherpad-Session, Foto: Tine NowakEtherpads wurden von Gregory Grund bei den Erziehungswissenschaften der Universität Frankfurt als Unterrichtswerkzeug eingesetzt. Der Einsatz lief mit technischer Unterstützung des studiumdigitale und auf den Servern des Hochschulrechenzentrums der Goethe Universität Frankfurt. Die Studierenden waren real im Raum der Universität anwesend und schrieben synchron im Web Notizen in die extra eröffnete Webseite des Etherpads. Die Seminargruppe war recht groß (ca. 80 Studierende) und das Etherpad für die große Gruppe offen (vgl. Openetherpad mit max. 16 Teilnehmer/innen). Sehr intensiv sei parallel der Chat genutzt worden, vergleichbar mit dem Flüstern und Wispern, welches es sonst im realen Raum von großen Seminaren und Vorlesungen auch gibt. In der Sessionrunde kam dann auch Feedback hinsichtlich der Langlebigkeit und zur Löschung der Etherpad-Inhalte. Man solle bedenken, dass durch die Versionierung alle (auch gelöschte) Notizen erhalten blieben. Etherpads sollten deshalb idealerweise als Wegwerf-Werkzeug-Tools begriffen werden, die Daten solle man sichern und z.B. als Blogpost aufbereiten, damit die Studierenden langfristig auf die Daten zugreifen könnten. Gregory Grund sah hingegen bisher genau die Langlebigkeit des Etherpads mit seinen Inhalten als Vorteil, so dass die Studierenden auch am Semesterende nochmal auf alle Inhalte des Seminars zugreifen konnten. Ein medienpädagogosches Setting und eine Evaluation finden sich in seinem Blog.
Brainstorming/ Ideen zur Verbesserung der Etherpad-Praxis:
– Leitfäden für Protokolle auf Etherpads erstellen/ausgeben (bzw. ins Etherpad einfügen).
– Struktur im Etherpad vorgeben (z.B. Inhaltsblöcke)
– Gruppen zur Padbespielung fest benennen (ca. 4 Personen)

Hier endete der Tag für uns. Während es noch zwei weitere Sessions und Eduhacks im Angebot des Educamps gab, waren wir schon wieder unterwegs und sind aber gespannt auf morgen.

Educamp auf der grünen Wiese – Teil 1
Educamp auf der grünen Wiese – Teil 3

(Zuerst veröffentlicht auf: SoMeBildungsblog)

Educamp auf der gruenen Wiese – Teil 1

Ines Kadler-Neuhausen, Andreas Rickert-Lützen und ich sind dieses Wochenende beim Educamp in Ilmenau. Bei schönsten Herbstwetter mit Blick auf den goldenen Thüringer Wald werde ich vom Campus der TU Ilmenau vom Educamp berichten:
Educamp Ilmenau Sessionplanun, Foto: Tine Nowak
10.00 Uhr
Nach Begrüßung und Danksagung startet das Educamp mit der für Barcamps typischen ((Barcamps haben eine andere Organisationsform als Tagungen. Es gibt „ungeschriebene“ Regeln, die die Freiheit und Interaktion der Veranstaltungsform befördern sollen, vgl. Felix Schaumburg Blogeintrag)) großen Vorstellungsrunde. Mit Name und drei persönlichen Tags stellen sich geschätzt 200 Barcamper/innen vor. Viel #neuesLernen, #Lernplattformen, #Innovation, #Video bei den Tags ((Persönliche Schlagworte. Bei dem Microblogging-Dienst Twitter mit der Raute Taste gekennzeichnet)), viel #Berlin und einige Teilnehmer/innenTeilgeber/innen ((Man spricht bei Barcamps von Teilgeber/innen, da alle aktiv die Veranstaltung gestalten sollen)), die zum ersten Mal Tags definieren müssen, also eine bunte Mischung. Irgendwann sind alle durch. Es bildet sich nun vorne im Raum eine lange Schlange mit Leuten, die Sessioninhalte anbieten. Sessions für die sich nicht genug Interessent/innen melden werden zum Flurgespräch deklariert, mit der Bitte sich nachher informell zusammenzutun. Ein Novum: zwei Schülerinnen sind da, Zwillinge zudem, Sympathiewellen im Publikum sind spürbar. Sie wollen einen Film über ihre Reformschule vorstellen. Kommentar des Moderators: „Die Session findet wohl am besten im großen Audimax statt“.

11.00 Uhr
Der Sessionplan ist voll. Jetzt steht man vor der Qual der Wahl. Im Raum „Elfenbeinturm“ wird Manfred Spitzers Buch „Digitale Demenz“ diskutiert. Dort geht es für uns zunächst hin:
Educamp Ilmenau Medienkompetenz, Foto: Tine Nowak
Session „Medienkompetenz schlägt Digitale Demenz“ (Etherpad zu Session).
Zusammengefasste Bergriffe und Thesen aus „Digitale Demenz“.
Quelle: Tafelbild Session von Sarah-Madeleine Diedrich

Medienkompetenz:
– Bedienwissen
– Verstehen und Einordnen
– Produzieren
– Reflektion/Kritik
– Selektieren
– Verknüpfen
– Sozialkompetenz

Digitale Demenz:
– digitale Medien
– Sprachlösung
– Sucht/ Schlafmangel
– Vereinsamung
– Demenz
– Tod

1. Kein Beweis, dass Medien Lernen fördern
2. Was wir (online) suchen, speichern wir schlecht und lernen es nicht
3. Digitale Medien verhindern gute Verbreitungstiefe
4. Digitale Medien machen krank

Die erste Frage an die Session-Teilnehmer/innenTeilgeber/innen ist, ob wir das Buch schon gelesen haben. Nur eine meldet sich, die Auszüge gelesen hat. Wir diskutieren somit die Interpretation unserer Session-Leiterin und nicht das Buch selbst. Das Diskussion kommt nichtsdestotrotz schnell in Gang und wird mit Verve geführt, denn das Grundthema betrifft im Raum alle. ((Die Diskussionen der Session sind weit ausführlicher im Etherpad dokumentiert))

Damit endet schon der Vormittag am Educamp Ilmenau. Es geht in die Mittagspause. Wer „campt“ muss Essen und kann dabei das Gehörte und Gesehene besprechen und austauschen. Für manche sind die Pausen das Wichtigste an Barcamps, weil man hier Zeit hat mit den anderen Barcamper/innen in Kontakt zu kommen.

Weitere Informationen zur Session:
Videointerview im Anschluss an die Session (von EducampTV)

Educamp auf der grünen Wiese – Teil 2
Educamp auf der grünen Wiese – Teil 3

(Zuerst veröffentlicht auf: SoMeBildungsblog)

Edublogs Juli 2012

Ein Thema in Edublogs im Juli war mobiles Lernen mit dem Handy. Der Fokus war durchaus unterschiedlich, ob als Ideensammlung, als Vortrag oder Projektbericht. Besonders Geocaching und QR-Rallyes scheinen weiterhin interessant, zudem gibt es weitere Überlegungen, wie das Handy in den Unterricht integriert werden kann.

My Mobile bei medien+bildung.com
Der Themenschwerpunkt „My Mobile“ ist wohl technisch kein Blog, aber neue Beiträge sind zumindest chronologisch geordnet. Maren Risch hat einen Projektbericht verfasst über ein Blockseminar zu mobilen Lernen mit Studierenden der Universität Koblenz:

Dabei darf die Funktionsvielfalt der mobilen Geräte voll ausgeschöpft werden: Bluetooth, QR-Codes, Foto/Video, Audio, Apps, Fotobearbeitung (Picasa), Video DJ, Movie Maker und Cellcast – alles ist möglich. Für die Studierenden ist diese Aufgabenstellung meist didaktisches Neuland und von weiteren Themen flankiert, die medienkompetentes Handeln ausmachen.

Als Ziel sollten Stadtexkursionen für Schüler/innen entwickelt werden. Eine Auswahl der Ergebnisse ist online und im Text verlinkt.

Mediale Pfade
David Seitz, der auch bei den Edunauten aktiv ist, erläutert in seinem Mediale Pfade-Blog mit welchen digitalen Helfern man in DIY-Manier eigene mobile Spiele umsetzen kann. Ob als QR Code-Rallye, Augmented Reality oder Apps: es geht um „Mobiles Lernen selbst gemacht“. Zudem stellt er in einen weiteren Blogpost kurz den Gewinnerclip des Wettbewerbs “Why open education matters” vor:

e-Learning Blog (TU Graz)
Martin Ebner befüllt das e-Learning Blog mit einer Masse an nützlichen Hinweisen und frei verfügbaren Publikationen, dass es einem fast schwindlig wird: Zuerst ist er bei der ED-Media Conference in Denver (Video), bei der einen Vortrag zu Mobile Learning hält (Präsentation) und noch im gleichen Monat stellt er die fertigen Publikationen (1/2/3) und das Audio zum Vortrag (Podcast) bereit. Zudem weist er darauf hin, dass das frei publizierte Buch „Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien“ – L3T –  nun auch im iTunes-Shop verfügbar ist, dass es einen Videotrailer zum Buch gibt (Video) und dass es ein neues Plug-in gibt, mit dessen Hilfe man Bereiche von L3T auswählen und sich einen massgeschneiderten E-Learning-Ratgeber drucken lassen kann. Es gibt noch viel mehr zu Mobile Media, iPad-Klassen und neuen Lernformaten. Schaut selbst im e-Learning Blog vorbei.

MediaCulture-Blog
Das MediaCulture-Blog des Landesmedienzentrums in Stuttgart war auch im Juli fleissig, ich erwähne daher nur eine Auswahl: Christian Spitzer berichtet vom veranstalteten „Ohrenspitzer-Tag“ zu Projekten ums Hören + Zuhören bei Kindern, er widmet einen Blogpost Facebook und ihrer Klarnamen-Abfragen von Freunden und stellt noch ein Geocachingprojekt vor, bei dem es zur Schatzsuche an die Lahn geht.

Medienpädagogik Praxis Blog
Im Medienpädagogik Praxis Blog war im Juli Sommerpause, doch davor gab es noch einen Blogeintrag von Gastautor Jörg Eisfeld-Reschke. Er bezieht „Position: Scheitert Medienpädagogik im Social Web?!„. Er stellt fest, dass viele pädagogischen Organisationen bei Facebook als Profil und nicht als Seite agieren und fragt sich, wie es dazu kommen kann:

Aber man wird doch wohl erwarten können, dass sie sich vorbildlich an Recht und Regeln halten. […] Wer wenn nicht jene, die tagtäglich junge Menschen auf die Chancen und Gefahren hinweisen, damit diese einen bewussten und angemessen Umgang mit Social Media finden?

Er plädiert, dass Medienpädagogen sich langsam mit sozialen Netzwerken anfreunden und diese privat, wie beruflich beherrschen sollten.