Eigentlich noch für Dezember als Abschluss des Themenblocks 2 im Facebookseminar geplant, war dann heute das „Facebook spielen“ an der Reihe. Ursprünglich wollten wir hierfür das Incluso-Spiel einsetzen, welches als Planspiel zum Start von Facebook für Einrichtung in der Jugendarbeit konzipiert worden war. Da die Spieldauer mit 2,5 Stunden angesetzt ist und die Spielkarten nur auf Englisch vorhanden sind, schaute ich mir heute zum Vergleich noch das neu erschienene „Facebookspiel“ des DGB Bildungswerks an. Der Vorteil hier liegt allein schon in der Spielzeit von 1-1,5 Stunden. Außerdem sind auch hier die Materialen online zum Ausdrucken oder Downloaden unter einer Creative Commons Lizenz bereitgestellt. Das Spielziel ist jedoch ein anderes: es geht viel mehr um einen analogen Erstkontoktakt, der einen Eindruck der Facebookpraktiken und der damit verbundenen sozialen Dynamiken vermitteln soll. Während Incluso einen schönen Abschluss gebildet hätte, passt das „Facebook-Spiel“ sehr gut als Auftakt von Themenblock 3 mit Facebook-Diskursen, beginnend mit dem Thema „Beziehungen/Freundschaft“.

Nochmal kurz zum Vergleich:
Incluso-Game (2010)

  • In Englisch/Niederländisch
  • Thema: Planspiel zum Start von Facebook in Einrichtungen der Jugendarbeit
  • Dauer: 2,5 Std.
  • Download in div. Formaten (Word/PDF, Psd, Excel)
  • gestaltete Spielkarten in Visitenkartengröße
  • Ausdruck auf Visitenkartenpapier möglich o. via Online-Druckerei
  • Creative Commons Lizenz (Attribution-ShareAlike 3.0 Unported License)

Facebook-Spiel (2012)

  • In Deutsch
  • Thema: Analog-Simulation um soziale Dynamiken von Facebook offline kennenzulernen
  • Dauer: 1-1,5 Std.
  • Download als ODT oder PDF, Bilder als JPG (im Zip-Ordnern)
  • gestaltete Profilbögen. Jedoch Bilder für Profilbild und Karten müssen noch individuell angepasst werden. Aktionskarten müssen noch gestaltet werden (nur als ODT/PDF-Frageliste vorhanden). Hier ist für die Fertigstellung noch extra Zeit einzurechnen.
  • Creative Commons Lizenz (CC-by-sa-Lizenz)

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Vorbereitung des Facebookspiels
Nach der Angabe auf PB21.de dauert das Facebookspiel ca. 1 bis 1,5 Stunden. In der Seminarzeit von 1,5 Stunden ist das Spiel zusätzlich mit Reflexion und Diskussion zeitlich nicht realisierbar. Aus diesem Grund entschied ich mich im Seminar nur Runde 1 und 2 zu spielen und den weiteren Verlauf in den Spielregeln gemeinsam mit den Studierenden zu lesen und zu diskutieren. Zur Vorbereitung des Spiels standen vier Stunden zur Verfügung, wobei ich 30 Minuten allein zur Entscheidungsfindung brauchte, welches der beiden Spiele nun genutzt werden soll. Drei Stunden Zeit benötigte der Ausdruck und Tackern der Spielmaterialien (Regeln, Profil, Gruppenblätter, Statuspyramide), Profilbilder und -karten (für 20 Studierende), zudem mussten Profilbilder und -karten noch ausgeschnitten werden. Für das Gestalten der Aktionskarten wäre keine Zeit mehr geblieben. Den Zeitaufwand hatte ich hier auf jeden Fall unterschätzt, gestaltete Spielkarten (vgl. Incluso) wären hier von Vorteil.

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Der Spielverlauf
Mit 13 Spieler/innen starteten wir dann das Spiel: Jeder holte sich ein Papierprofil ab, musste sich ein Profilbild aussuchen und aufkleben, zudem Name und Infos im Profil vermerken. Als Sonderaufgabe gab es (in Anlehnung an die Aktionskarten, die in dieser gekürzten Version nicht zum Einsatz kamen) den Arbeitsauftrag eine kurze Statusmeldung auf die Rückseite des Profils zu schreiben. Die Profilbögen wurden auf einem großen Tisch ausgelegt und die Spielteilnehmer/innen sollten nun fünf Profilkarten an die Profile verteilen (vergleichbar mit einer Freundschaftsanfrage) und ggf. auf die Statusmeldung auf der Rückseite mit einem Like oder einen Kommentar reagieren. Zum Schluss habe ich die Bögen eingesammelt und die Freundschaftsanfragen gezählt, welche wir mit der Statuspyramide abgeglichen haben. Hier muss natürlich die Skala nach unten korrigiert werden, da mit 13 Teilnehmer/innenen keine 15 Profilkarten gesammelt werden konnten. Nichtsdestotrotz erhielten wir eine gestaffelte Verteilung der Freundschaftsanfragen, wobei auffiel, dass die Profile, die wenig bis keine Angaben gemacht haben, am wenigsten Anfragen erhielten.

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Diskussion/Reflexion
Nach dem Lesen der Spielanleitung sollten die Studierenden eine blitzlichtartige Einschätzung des Spiels abgeben, wobei Top, Flop und OK (mit Modifizierungen) zur Auswahl standen. Sechs Studierende fanden das Spiel Top, 6 Studierende fanden es OK (mit Modifizierungen) und einmal gab es einen Flop als Bewertung. Die Begründung für die Negativbewertung und Start in die Diskussion war, dass nach anfänglicher Begeisterung immer deutlicher geworden sei (welches sich durch das Lesen der Anleitung bestätigte), dass das Spielziel das Sammeln von Kontakten und dies kein erstrebenswertes Ziel sei, wenn man die Funktion von Facebook vermitteln wolle. Die Studierenden wurden sich schnell einig, dass bei der Vermittlung von Facebook auf die Qualität der Beiträge und Interaktionen und nicht auf die Quantität der Freunde fokussiert werden solle. Gerade das Sammeln von Freunden könnte bei Facebook-Neulingen gar Vorurteile zementieren.

Das Ausfüllen des Profils auf Papier würde sich gut für Jugendlich ab ca. 13 Jahren eignen, allerdings wäre genau hier notwendiger das Thema Datenschutz spielerisch umzusetzen. Als Rückschluss aus dem Gesprächsverlauf wurde eingeworfen, dass das Spielen mit Jugendlichen und Erwachsenen dann sinnvoll wäre, wenn diese auch wirklich in der Lage seien den Spielverlauf zu reflektieren, wodurch die Reflektion im Vergleich zum Spiel aufgewertet würde, weil ja diese dann das eigentlich Spielziel sei. Exklusion wurde thematisiert, da durch die Profile und Freundschaftsanfragen schwelende Konflikte oder Ausgrenzungen u.U. sichtbar gemacht würden, hier gab es den Vorschlag der Anonymisierung, andere argumentierten, dass ja auch die Aktionskarten vorhandene Dynamiken außer Kraft setzen könnten und dass der Spielleiter zudem eine nicht zu unterschätzende Funktion der Steuerung ausüben könne. Die Studierenden haben im Gespräch für eine offenere Nutzung des Profilfelder votiert, da die Angaben mit TV-Formaten, Fußball-Club und Parteien zu sehr einschränken würden. Die Analogisierung durch das Spiel wurde als gute Idee beurteilt, da diese einen guten Einstieg in die Materie bieten könne. Insbesondere für ältere Nutzer/innen oder auch für Schulungen in Firmen könne sich das Facebookspiel als Methoden eignen.

Fazit
Sehr gute Ausgangsidee, aber noch ausbaufähig. Kürzere, weniger komplizierte Spielstruktur für Jugendliche wären bei einer Überarbeitung sinnvoll, mit Fokus auf Identitätsmanagement oder Datenschutz. Die Statuspyramide als Zielspiel erschien uns in diesem Setting wenig erstrebenswert, wenn nicht sogar kontraproduktiv.

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Disclaimer
Das Spiel wurde nicht exakt nach Spielanleitung gespielt, sondern verkürzt umgesetzt und aus diesen Gründen auch leicht modifiziert. Dies hat sicherlich Einfluss auf die Diskussion, wobei die Diskussion angeregt und konstruktiv verlief, mit einem Impetus des Überlegens, wie sich das Facebookspiel optimieren ließe.

(Zuerst veröffentlicht auf: SoMeBildungsblog)

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