16 Fragen zum Bloggen

Es ist ein Stöckchen

Über Blogs und Stöckchen habe ich gestern schon einen seperaten Blogpost verfasst. Jetzt widme ich mich dem Blogstöckchen, dass der Anlass zum Resümieren war. Zugeworfen bekam ich es von Tanja Praske. Ich bin gespannt, welchen Weg es noch nehmen wird.

This Is How I Work
1. Blogger-Typ
Ich bin viele:

  1. Online-Journal-Schreiberin (2003-2004 auf tinowa.de)
  2. Rattenschwanz-Bloggerin (2004-2007 auf Twoday: Viel zu Kunst, Popkultur und Gedanken zum Alltag, oft Fotos als Fundstücke urbanen Lebens. Oft unzufrieden, da zu unregelmäßig bloggend)
  3. Museumsbloggerin (2007-2011 fast nur noch beruflich bloggend in Blogs, die Ausstellungen begleitet haben, an denen ich gearbeitet habe: Tagwerke und DIY-Ausstellungsblog)
  4. Edubloggerin bei hypotheses.org (auch beruflich, seit 2012: Soziale Medienbildung)
  5. Podcasterin (noch ausprobierend: Kulturkapital-Podcast)

Zudem habe Ende 2011 fast alles was ich zuvor gebloggt habe hier ins Tinowa-Werkjournal transferiert, immer mit Hinweis auf den Ursprungsort der Blogposts. Daher ist dieses Blog auf tinowa.de wieder mein Blog-Zuhause und mein privates Online-Archiv. Hier schreibe ich zu Themen, die mich persönlich interessieren im Spannungsfeld von Medien, Bildung, Menschen und Museen und immer wieder auch Fotos, oft mit Rhein-Main-Bezug.

2. Gerätschaften digital
Ich schreibe an jedem Rechner, der sich mir bietet. Zuhause bin ich am Mac. Unterwegs ist ein Android mein Begleiter. Meine Leidenschaft gehört allerdings meiner Digitalkamera.

3. Gerätschaften analog
Seit langen benutze ich wieder ein Notizbuch. Ich lese noch und gerne auf Papier, allerdings gilt das hauptsächlich für Bücher, die ich in meiner Freizeit lese. Andere Texte, insbesondere wissenschaftliche Aufsätze, bevorzuge ich digital.

4. Arbeitsweise
Ich schreibe meine Blogposts am liebsten direkt ins Blog- oder in ein Mailformular, gern puristisch als Text. Halte es einfach, dann klappt es am besten. Mich schrecken leere Office-Dokumente. Ich habe jedoch zwei unterschiedliche Herangehensweisen gefunden, mit denen ich gut zurechtkomme, wenn es mal ein längerer Text werden soll, der schnell geschrieben werden soll:

  • Lösung A: Ich produziere erst Text, viel mehr Text als nötig, nicht unbedingt beste Qualität, dann kürze und schleife ich, baue um bis es mir taugt.
  • Lösung B: Ich baue Strukturen und Cluster, auch mit Mindmaps, die sich langsam mit Text füllen und zu einem Gesamttext verwachsen. Dies benutze ich aber eher für wissenschaftliche Texte.

5. Welche Tools nutzt du zum Bloggen, zum Recherchieren und zur Bookmark-Verwaltung?
Meine erste Webseite hab ich mit dem Editor des Netscape Navigator gebaut, mein erstes Blog war auf der Blogplattform Twoday.net (weil es keine Antville-Blogs mehr gab), mein Blog heute basiert auf WordPress. Ich recherchiere mit Suchmaschinen, in Wikipedia, in Online-Zeitschriften, im Archiv von Zeit und Spiegel, auf spezif. Plattformen zu Bildung und Pädagogik. Mit Bookmarks mülle ich unkontrolliert Delicious zu (hier brauche ich eine effizientere Herangehensweise) und bin sehr angetan von RSS-Sammlungen, wie Collected sie möglich macht.

6. Wo sammelst du deine Blogideen?
Rausgehen und Dinge erleben. Oder sich im Kopf verkriechen und Dinge durchdenken. Welchen Weg ich auch wähle, ich blogge zu wenig. Viele Artikel warten als Textruinen im Dashboard, ohne je zum Leben gekommen zu sein. Ganz oft denke ich Texte Wort für Wort durch, insbesondere beim Zugfahren, und dann bleiben sie genau dort – unveröffentlicht im Kopf. Ich teste gerade für das iPad Dragon Dictation, vielleicht lassen sich irgendwann meine Blogpost diktieren? Mit der App funktioniert das derzeit nur rudimentär, außerdem braucht Text diktieren im Gegensatz zu Text denken, nochmal eine andere, fokussierte Herangehensweise.

7. Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet?
Wenn es schnell gehen muss: Tweets einbinden und dazu paar Zeilen schreiben. Das heißt nicht, dass dies meine bevorzugte Art des Bloggens wäre. Twitter-Flickschusterei macht mich nicht wirklich glücklich, daher gibt es hier diese Sorte Text eher selten. Wer es wahrhaft schnell will, sollte in ein Tumblr-Blog einziehen. Mir geht es beim Bloggen nicht um Geschwindigkeit, nicht um den Text für den Augenblick, sondern ich sehe das mittlerweile auf lange Sicht: als Text-, Notizen-, Bildersammlung, die mich mein Leben über begleitet.

8. Benutzt du eine To-Do-List-App?
Ich habe einen Online-Kalender, der macht mich auf Termine aufmerksam, sonst gibt es nichts.

9. Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?
Ich könnte, würde aber nur ungern auf meine Kamera verzichten.

10. Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?
Ja.

11. Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?
Wenig. Früher habe ich beim Schreiben viel mehr Musik gehört.Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich erst Studentin war, dann Freiberuflerin und viel daheim geschrieben habe. Später mit festen Job und Büro hörte die Symbiose aus Computerarbeit und Musik auf. Gehört habe ich Musik von Blumfeld, Le Tigre, Pulp, Saalschutz, Sigur Ros, Bernadette la Hengst oder auch Joni Mitchell. Heute geht nichts mehr ohne Peter Licht.

12. Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Lerche?
Eigentlich Lerche, in letzter Zeit aber eher Eule.

13. Eher introvertiert oder extrovertiert?
Innen: Introvertiert. Außen: Extrovertiert. Intro-Extro-Mix

14. Wer sollte diese Frage auch beantworten?
Annabelle Hornung (Digitaler_Gap), Tanja Neumann (Museumstraum), Thorsten Larbig (Herr Larbig) und Jana Herwig (Digiom). Ursprünglich hatte ich Monika E. König (Lernspielwiese) fragen wollen, die hat sich das Stöckchen aber schon selbst bei Tanja Praske abgeholt.

15. Der beste Rat, den du je bekommen hast?
Einfach machen!

16. Noch irgendetwas Wichtiges?
Das Stöckchen ist tot, es lebe das Stöckchen. ;o)

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Ein selbsterklaerender Eintrag

Andrea Diener führt uns das Bloggen vor

Andrea Diener bloggt, Foto: Tine NowakHoher Besuch: Letzten Freitag besuchte uns Blog-Autorin Andrea Diener im Büro. Sie wird in unserer Ausstellung innerhalb einer von sieben Tagebuchgeschichten vorgestellt. Extra für uns legte sie einen neuen Eintrag in ihrem Blog Reisenotizen aus der Realität an. Dank Andrea werden Ausstellungsbesucher bald nahezu in Echtzeit miterleben können, wie ein Blog-Eintrag entsteht – vom Einloggen bis zum Publizieren.

Ob sich die regelmäßigen Besucher von Andrea Dieners Blog am Freitagnachmittag wohl gewundert haben? Andreas neuester Eintrag muss Ihnen doch etwas sonderbar vorgekommen sein – schließlich ging es darin nur um eines: Wie man einen Blog-Eintrag schreibt.

Des Rätsels Lösung: Andrea hat mit diesem Blog-Eintrag gewissermaßen ein Ausstellungsstück für uns geschrieben. Das Schreiben des Eintrags hat sie nämlich eifrig mit Screenshots festgehalten. Diese wurden von mir anschließend zu einer Animation zusammengefügt. Später in der Ausstellung wird diese an einer Medienstation vorgeführt werden um nicht-Bloggern die Grundprinzipien des Schreibens im Internet näher zu bringen.

In der fertigen Animation kann man jetzt zuschauen, wie Andrea sich zunächst anmeldet und dann einen Eintrag hinzufügt. Einen guten Kaffee brauche sie, schreibt Andrea, bevor sie mit dem Schreiben anfangen könne. Da unterscheide sich das Bloggen gar nicht vom Schreiben anderer Texte. Wenn man allerdings herunterscrolle erscheine der Publish-Button, mit dem die Geschichte veröffentlicht wird, schreibt sie und scrollt promt den Bildschirm hinunter bis zum besagten Button. Die Überschrift schreibe sie meistens zum Schluss, fügt sie hinzu, und überschreibt den Eintrag mit „Selbsterklärender Eintrag“. Ein Klick auf Publish und schon steht der Eintrag im Netz.

Den Blog-Eintrag hat Andrea mittlerweile wieder gelöscht – aber die Animation kann man sich hier schon mal in klein anschauen: Andrea-Diener-Blogeintrag. In Groß kann man sie dann ab 6. März in der Ausstellung finden.

Zuerst veröffentlicht auf: http://tagwerke.twoday.net

Re:publica – Journal = Journalist?

Bei der Re:publica in Berlin

Wenn Zeitungen über Weblogs berichten, steht dort oft, Weblogs seien Internettagebücher. Eine für mich wichtige Frage ist, ob diese Formulierung aus einer gewissen Hilflosigkeit heraus gewählt wird, das neue technische Format zu beschreiben oder geschieht das mit Absicht, indem man das vermeintlich Laienhafte, Unprofessionelle betont. Noch haben Blogs hierzulande nicht die großen Öffentlichkeiten wie in den USA, noch wird der Wahlkampf hier nicht ebenso im Internet geführt, wie in Frankreich. Aber etwas ist im Wandel.


Re:publica


Die Medien(r)evolution. Wie überholt sind die alten Medien, wie innovativ die neuen?
So das Thema der Gesprächsrunderunde. Der Raum war voll besetzt. Auf dem Podium saßen repräsentative Medienvertreter. Nicht ohne Grund, dass genau in dieser Diskussion für die Nachrichten gefilmt wurde (Nachtjournal, 13. April). Die Moderation hatte Tim Pritlove (u.a. Chaos Computer Club) übernommen. Er diskutierte mit Mercedes Bunz (Chefredakteurin vom Tagesspiegel Online), Jochen Wegner (Chefredakteur von FOCUS Online), Thomas Knüwer (Reporter in der Redaktion Handelsblatt) und Johnny Haeusler (Gründer von Spreeblick-Blog). Merces Bunz begann, in dem sie erzählte, dass ihre Wurzeln bei selbstproduzierten Fanzines lägen. Auf Papier, denn man hätte sich das Medium ausgesucht, was am besten passte. Jetzt arbeite sie online. Der Trend gehe hin zur Entwicklung von Blätter-Funktion für Online-Zeitungen, generell wäre Design gerade ganz wichtig. Dass, was früher „Quellen“ waren, die erst abtelefoniert werden mussten, wird heute durch Links ersetzt. Knüwer nahm das auf: „Die Nutzen von Links sind bei deutschen Journalisten noch heute unterbewertet.“ Es gäbe derzeit einen Umbruch in der Medienlandschaft, der emotional stark aufgeladen sei. Die einen wären Pro-Online, die anderen Contra-Online, mit der Forderung nach Solidarität, da sie ihr altes Arbeitsumfeld in Gefahr gebracht sähen. Unbestritten sei jedoch: „Das Internet ist das Nr.1-Schnellinformationsmedium“.


Re:publica


Johnny Hauesler sagte daraufhin, dass es ein ganz anderes Schreiben sei. Man könne in Print keine Links setzen. Was dazu führe, dass viele Blog-Texte, in Print überführt, kaum lesbar wären. Diese Artikel würden nicht für sich alleine funktionieren. Es gäbe zudem große Vorurteile den Blog-Texten gegenüber, in der Art von: „Weblogs hab ich mal reingeguckt. Das versteh ich nicht. Die kennen sich alle, sind eine Comunity: da komm ich nicht rein.“ Was ja so nicht sei. Die meisten Blogger würden sich nicht kennen, außer über ihre Kommentare. Mehrere Spreeblick-Autoren waren zu diesem Zeitpunkt im Raum unterwegs und verteilten eine „einmalige“ (Haeusler) Print-Sonderausgabe von Spreeblick zur Re:publica.


Re:publica


Moderator Pritlove wandte sich dewegen an Haeusler: : „Herr Haeusler – Sie sind ja jetzt im Printbusiness – ist Print die Zukunft von Online?“. Online könne man andere Dinge machen, so die Antwort. Und Bunz setzte nach. „Wie innovativ sind die alten Medien?“. Tim Pritlove bekannte, dass er ein Print-Agnostiker sei und warf die Frage auf, ob in Zukunft der Produzent alles sei, was übrig bliebe? Es gäbe keine Homepages mehr, nur noch die individuell gewünschte Information in Einzelteilen als RSS-Feeds. Dies führte zur großen Frage, ob man denn die Bloggerwelt überhaupt brauche.

  • Wegner: „Die Blogosphäre bezieht sich noch auf alte Medien.“
  • Häussler: Man könne auch nicht sagen, sie sei glaubwürdiger, denn „Glaubwürdigkeit ist ganz schwierig. Weil es mit Glauben zu tun hat. Du glaubst einer Quelle, weil du Erfahrungen mit ihr gesammelt hast. Das braucht Zeit. Ich kann irgendeiner Webseite nach 2-3 Wochen ebenso glauben wie dem FOCUS“
  • Knüwer: „Die schnelle Nachricht steht im Internet und die lange Nachricht im Print.“
  • Wegner: „Das ist ja Unsinn. Lang funktioniert. Das merkt man daran, weil man Texte ab einer bestimmten Größe zerteilen muss. Und die Leute lesen das.“
  • Knüwer: stimmte dem zu, aber dieses optimal rüberzubringen sei im Internet schwieriger.
  • Bunz: „Man liest mittlerweile Längerers im Internet. Da kann man nicht sagen: Print ist lang und Internet kurz und schnell.“

Abschießend: „Die Revolution liegt in der Demokratisierung der Produktionsmittel“. Sie gehe gegen niemanden und sei gleichzeitig ein Angriff gegen die traditionellen Medien.


Re:publica


Der Empfänger als Sender. Der „Citizen Journalism“ lässt die Redaktion rotieren, doch bewegt er auch die Bürger?
Die Reihen im Saal lichteten sich etwas, denn nun wurde die Kehrseite der Medaille diskutiert. Das heißt, nicht nur „Die Medien“ reagieren auf die Veränderungen im Internet, auch die User (die nun in Web 2.0 all den Content generieren) ändern bzw. erweitern ihre Inhalte. So wird das Bild der „offiziellen“ Medien durch private lokale Berichterstattung von Blogs und lokalen Plattformen ergänzt. Und in Fällen, wie bei Schließungen von Lokalzeitungen, vielleicht in Zukunft sogar ersetzt.
Falk Lüke moderierte das Panel, auf seiner rechten Seiten saßen Katharina Borchert(WestEins,Lyssas Lounge) und Jörg Kantel (Schockwellenreiter), zu seiner Linken Jens Matheuszik (Pottblog) und Hugo E. Martin (Readers Edition).

Citizen Journalismus (oder auch: Graswurzel Journalismus) sei nur dann wirklich möglich, so Jörg Kantel, wenn dem Bürger das Medium auch gehöre. Ein mögliches Projekt, die Readers Edition, wurde vertreten durch Hugo E. Martin, diese käme der Idee des Citizen Journalismus ziemlich nahe. Obwohl sich kein Schreiber auf der Plattform als Citizen Journalist bezeichnen würde, so Martin, es gehe eher um „Veröffentlichungen allgemein von Jedermann“. Als Blog-Beispiel saß Blogger Jens Matheuszik am Tisch. Auf die Frage, seit wann er denn Citizen Journalist sei, antwortete er: „Erst seitdem ich dafür eingeladen worden bin, ich war bisher nur Blogger.“ Falk Lüke erklärte, dass auf Pottblog regional politische Themen aufgegriffen worden seien, beispielsweise die Kommunardisierung der Sparkassen. Katharina Borchert, ehemals aktive Bloggerin (seit sie für die WAZ-Gruppe arbeitet, wurden die Einträge auf ihrem Blog spärlicher) sagte, dass man in Blogs Dinge aufgreifen kann, die in der regionalen Berichterstattung zu kurz kämen. Kantel antwortet, dass diese Aufgabe urpsrünglich von einer regionalen Lokalzeitung wahrgenommen wurde, bis diese aber aus Profitgründen (hier mehr dazu) geschlossen wurde. Manche Orte, wie auch Neu-Köln in Berlin, fänden einfach nicht mehr in den Medien statt. Borchert: „Es hat immer Themen gegeben, die in den Zeitungen nicht stattgefunden haben.“ Der Erfolg von Lokalzeitungen sei möglich, so Matheuszik, allein in Queens gäbe es 55 lokale Zeitungen.


Re:publica


Jörg Kantel plädierte gegen Plattformen, sondern es wäre wichtiger, vorhandene Blogs thematisch zu vernetzen. Katharina Borchert, die z.Z. an einer Blog-Plattform bei Westeins arbeitet, fragte, was dagehgen spräche, wenn ein Verlag das machen würde? Kantel: „Es spricht die Redaktion dagegen und die Schere im Kopf“. Hugo E. Martin verwies in den Zusammenhang auf ein Projekt aus den USA, so genannte Place-Blogs, allein 400 Blogs aus Deutschland gehörten dazu.

Zuletzt kam dann doch noch die Frage auf, was denn der Unterschied zwischen Blogs und Citizen Journalismus sei.

  • Kantel: „Ein Blog ist ein CMS. Was ein erfolgreiches Blog ausmacht, ist der Autor, der dahinter steht. Mit Blogs und Bloggen kann man andere Sachen machen als der klassische Journalismus.“
  • Matheuszik: „Im Blog kann ich schreiben, was ich will. Die ‚Readers Edition‘ interessiert es nicht, wie ich beispielsweise einen Streifzug durch Möbelgeschäfte beschreibe.“
  • Kantel: der Besitz der Produktionsmittel sei von Bedeutung. Neu daran sei, dass es billig wäre. Das Neue sei der Vertriebsweg, das Netz sei kein Massenmedium. „Das Netz nimmt es mir nicht übel, wenn ich für 80 schreibe, für 8 oder für die Oma in Amerika.“

Ausblick: In Zukunft würden Formen wie Pod-/Vodcasting sowie Moblogging noch viel wichtiger werden

Mehr zu den beiden Diskussionen auch bei heise online.



Aktualisierte Version der Erstveröffentlichung auf http://tagwerke.twoday.net (Archive.org)

Plädoyer für den Dillettantismus

Auf der Re:publica in Berlin

Ich wünschte mir gerade eine Lobby für Tätigkeiten ohne Renomée. Am ersten Tag der Re:publica noch hoffnungsvoll gestimmt, fällt mir seit dem zweiten Tag die Abwesenheit von etwas, was ich hier eben auch erwartet hatte, immer deutlicher auf. Was es genau ist? Vielleicht so etwas wie die stärkere Thematisierung einer Blogger-Kultur? Oder besser: Bloggen als kulturelle Praxis? Ich kann es schwer in Worten fassen.


Re:publica


Der Blogger, der mir hier repräsentiert scheint, sucht nach Möglichkeiten Geld mit seiner Tätigkeit verdienen. Dabei will er nicht der totale Buh-Mann sein. Bestimmte Sachen, die nicht Blog-„PC“ sind macht er natürlich nicht, aber er sagt durchaus „Hallo“ zu Google-Ads („ich mag euch nicht, aber immerhin spielt ihr mir meine Hostingkosten wieder rein“) und „Ja“ zu gekennzeichneten Produkttests. Adical tut auch nicht weh. Er ist nach eigenem Anspruch so etwas wie ein extrem subjektiver Journalist. Am besten packt er gleich mal seine besten Blogbeiträge als Portofolio zusammen und dokumentiert zudem die Fähigkeit, ellenlange Kommentarstränge zu generieren und geschickt zu moderieren. Wenn er damit nicht erfolgreich wird, kann er immerhin lokal vernetzt (Citizen davor oder nicht) als Schreibender zu einer Medienplattform gehen oder es fällt ihm sicherlich sonst noch eine Form der Professionalisierung oder Vernetzung ein. Wenn gar nichts klappt, geht er nach Berlin und gründet einen „total einfach zu handhabenden“ Webservice.

Des Bloggers Kunst ist das richtige Benutzen von Tags und RSS-Feeds, die man abonniert, statt auf all die verlinkten Seiten seiner Blogroll zu gehen. Die Blogroll gibt es dennoch weiterhin, denn damit positioniert er sich. Er geht durchaus noch zu ausgewählten Blogs, dem Blog-Feuilleton, um ein bisschen Atmosphäre einzuatmen, sozusagen als Wellness-Oase im gewaltigen Strom der Röhren.

Was ist eigentlich mit den Medienamateuren, den Dilettanten? Scheint nicht sehr erstrebenswert zu sein. Der Ruf zu schlecht, der Lohn zu niedrig. Der Dilletantismus hat eine schöne Tradition. Da kann man mit den Schäferspielen im Barock anfangen und mit der musischen Bildung, die ja immer noch gesellschaftlich gewollt ist, aufhören.

Vor kurzem hat mir eine Bekannte von einer Frau erzählt, von deren Wohnung sie extrem beeindruckt war: Diese Frau wohnt in einer großen Hochhaussiedlung. Ihre Eiche-Rustikal-Wohnzimmerwand ist von oben bis unten mit buntem Zuckerguss verziert. Sie will weder Zuckerbäckerin werden, noch Innenarchitektin. Sie findet einfach nur den Zuckerguss auf ihren Möbeln schön.



Aktualisierte Version der Erstveröffentlichung auf http://tagwerke.twoday.net

Re:publica – Leben im Netz

Auf der Re:publica in Berlin

Die erste „echte“ Blog-Konferenz, so hieß es im Vorfeld. Zur Re:publica kämen fast nur Blogger. Und so war es dann auch: Drei Tage voller Vorträge, Workshops, simultan bloggenden Teilnehmern und Kommentaren auf einer SMS-Wand im Vortragsraum. Drei Tage, die aber auch die Bandbreite von Weblogs verdeutlichten. Marketing-Instrument, neuer Journalismus oder doch „nur“ Online-Tagebuch? Blogger allüberall und keiner glich dem anderen.

Re:publica


„Leben im Netz“, so der Untertitel der Re:publica, dieses suggeriert erstmal eine Nähe zu unserem Ausstellungsprojekt im Museum für Kommunikation. Lebt nicht jeder „Tagebuch-Blogger“ mit seinem Blog irgendwie im Netz? Ein Online-Leben in der Art und Weise, wie Andrea Diener bei unserem Expert/innenworkshop meinte, „ihr Blog sei ihr Wohnzimmer“? Doch spätestens bei einer solchen Veranstaltung bricht jede Illusion der Homogenität zusammen. Auch wenn einem vorher durchaus klar war, dass es diese gar nicht geben konnte, jedoch nur selten bekommt man es so augenscheinlich vorgeführt. Ganz unterschiedliche Motivationen brachten 800 Blogger zusammen. So ist mir der erste Re:publica-Tag als der „Leben im Netz“-Tag, der zweite als der „Marketing“-Tag und der dritte als „Journalismus“-Tag im Gedächtnis geblieben. Aus der Fülle dessen möchte ich einige ausgewählte Vorträge, bzw. Paneldiskussionen herauspicken, die mir für unser Projekt besonders interessant scheinen.

Tag 1: Leben im Netz

Jan Schmidt begann seinen Vortrag „Mythen der Blogospäre: Wie wir bloggen“ (PDF) mit einem Vorgriff auf sein Fazit: Mit einem Plädoyer für den Long Tail. Die Blogosphäre sei vielfältig und es stelle sich die Frage, ob man überhaupt von „dem Blog“ reden könne. Wenn man das technische Format als kleinsten gemeinsamen Nenner nähme, dann würde es gehen. Es funktioniere aber nicht mehr, wenn es um die Benutzergruppe, Inhalte oder bestimmte Praxen ginge.
Drei gängige Mythen hatt sich Jan Schmidt rausgesucht:

  • Mythos 1: Blogger als Nerds („Blogger sind übergewichtig und haben Dreitagebart“). Dieser Mythos fuße auf einer Internet-Unfrage (13.000 Teilnehmer), die oft in den klassischen Medien aufgegriffen worden sei, die aber in keiner Weise representativ wäre. Es wurden nur Nutzer einer bestimmten Internet-Community befragt, die zudem alle über 18 Jahre alt gewesen seien. Die bestätigten gängige Vorurteile, die aber falsch seien. „Die Blogosphäre ist weiblich!“, so Schmidt und belegte dies sogleich mit drei seriöseren Umfrage-Ergebnissen.
  • Mythos 2: Gegenöffentlichkeit („Weblogs machen jeden zum Journalisten“). Dies sei ein Mythos der von Bloggern selbst gerne gepflegt werde. Der Blick in die „Blogcharts“ mache schnell deutlich, nicht Blogs, sondern die klassischen Medien seien immer noch Hauptreferenzquelle bei den Weblogs. Noch ist die Funktion der Gegenöffentlichkeit (zumindest in Deutschland) nicht die Wichtigste.
  • Mythos 3: Irrelevanz („99% aller Weblogs sind Müll“). Die Banalisierung von Weblogs käme nicht nur von Außen, sondern auch von Innen (klassische Schmähungen wie „Katzencontent“ oder „Strickblogs“). Grund sei die Abgrenzung nach unten („Ich mache richtiges Bloggen“). Das Teenie-Blog werde abgewertet, um den Blogger selbst aufzuwerten. (Hier zeigte Schmidt denAufmerksamkeits-Graphen, welcher die Öffentlichkeiten für die A-List und den Long Tail verdeutlichte, den er ja auch schon bei uns beim Expert/innenworkshop vorgestellt hatte. )
Wer definiere, was Bloggen sei? Die A-List-Blogs? Also die Blogs, welche die größte Aufmerksamkeit in der öffentlichen Wahrnehmung von Blogs erhalten? Fest stehe: Was bloggen ist, werde ständig ausgehandelt. Resümierend meinte Jan Schmidt, dass es verschiedene Verallgemeinerungen gäbe, die von ganz unterschiedlichen Seiten gepflegt würden. Aber: „Will man das Bloggen ernst nehmen, muss man den Long Tail ernst nehmen.“Auf Jan Schmidts Vortrag bezieht sich als „altes“ Medium ein Artikel in Freitag. Aber auch unter Bloggern wird das Thema diskutiert. Thilo Baum macht sich Gedanken zum Long Tail und Andrea Diener blickt aus der Ferne auf die Re:publica und wird sentimental.

Re:publica


Gleich im Anschluss fand sich die Diskussionsrunde zu „Leben im Netz? Leben wir im Netz oder tun wir nur so?“ ein. Hierauf war ich sehr gespannt gewesen, in der Ankündigung stand: „Soziale Netze, Second Life, Kontakte und Freunde ohne Ende – wie viel hat das Online-Leben mit dem echten zu tun? Ist unser Verhalten in den Communities ein Spiegel oder eine Neuerfindung unserer selbst?“. Einzig Don Dahlmann (vom Beruf Journalist und hier als Moderator) war mir vorher schon als Blogger vertraut gewesen. Sein Blog ist in der letzten Zeit journalistischer geworden, weniger privat, früher hat er sehr schöne, manchmal sentimentale, persönliche Geschichten geschrieben. Das weitere Panel bestand aus Silke Schippmann (XING, Senior Managerin im Bereich Community Management), Nicole Simon (European New/ Social Media specialist) und Matthias Oborski(schreibt beruflich für Blogs).Don Dahlmann fragte sogleich, wie es sich im Netz lebe? Darauf antworte Nicole Simon, ob man sich denn rechtfertigen müsse, wenn man online lebe? Sie habe damals schon mit BTX angefangen: „Das Netz ist ein Abkürzungsweg zu den Dingen, die mich wirklich interessieren“. Und auch Silke Schippmann bestätigte: „Ich muß mich zusammenreißen, nicht online zu gehen“. Die Grenze zwischen Freizeit und Beruf würde leicht verschwimmen. Aber dafür bekäme sie jetzt für etwas Geld, was ihr sowieso Freude bereite. Matthias Oborski schloss sich dem Grundtenor an: „Das Netz ist wie Sauerstoff“. Ohne Netz sei es für ihn, wie auf einem Abenteuerurlaub, ohne fließend Wasser. Es folgte eine Frage nach dem „Second Life“ von Dahlmann: Hype oder Nicht-Hype? Simon antwortete: „Jedes Medium hat eine andere Nutzergruppe“. Sie träfe dort andere Menschen als in Blogs. „Es ist anders als andere Spiele, ich muß mich nicht anstrengen, ich kann einfach sein.“ Second Life sei das erste Spiel in den virtuellen Welten, wo sie sagen könne, dass sie sich wohl fühle.

Re:publica


Das Spannungsverhältnis von privater und beruflicher Zeit im Internet schnitt Dahlmann als nächstes an: Wenn man schon schon beruflich so viel im Internet sei, ob man dann noch unbedingt privat dort Zeit verbringen müsse. Oborski gab zu, er höre oft, dass er doch mal in der „echten“ Welt leben solle. Und Nicole Simon betonte: „So wie ich online bin, so bin ich auch in der realen Welt. Es gibt welche, die sind online anders sind, aber mit denen will ich nichts zu tun haben“. Die Aussage war schon deswegen interessant, da man später (nach einen Ausflug zu Trollen und Xing) wieder auf das Thema „Authentizität“ zurückkam und Matthias Oborski die Frage anstieß, ob das Netz einen zwänge, ehrlicher zu sein. Darauf antworte Simon, man sei abrufbarer geworden und deshalb überprüfbarer. Eine Fassade aufrecht zu erhalten, sei dauerhaft zu anstrengend. Auch Silke Schippmann bestätigte, dass – anders als in der Frühzeit des Internets – man nun authentischer sein müsse: „Wenn alles gespeichert wird, was geschrieben wurde, dann wird nach 5 Jahren noch rausgesucht, was der aktuellen Meinung widerspricht und gegen einen als Waffe genutzt werden kann.“ Don Dahlmann erzählte daraufhin, dass ihm das in seinem Blog genauso schon widerfahren sei. Minuten nachdem er sich selbst widersprochen habe, hätte er eine Mail samt Link zu einem früheren anders gemeinten Eintrag bekommen. Seine Frage ans Podium: „Ist das für euch eine Bremse und schreibt ihr deswegen Dinge nicht mehr rein?“. Oborski: „In der Zeit vor Google schrieb man ins Usenet was man wollte. Das kann man heute auch lesen: Ich poste kaum noch was privates und wenn dann so verschlüsselt, dass nur die, die dabei waren es verstehen.
Über die beiden Vorträge schreibt auch The Daily Mo .


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