Abhandlung zur Tagesform

Schlechte Tagesform? – Nicht fit, oder was?

Hat sich eigentlich schon mal irgendjemand Gedanken darüber gemacht, was genau mit der „Tagesform“ gemeint ist? Das Ganze wirft doch ziemlich viele Fragen auf, zumindest bei Nicht-Ausstellungsbeteiligten. In der heißen Endphase der Ausstellungsvorbereitung stehen wir im Moment ab und zu vor der Frage: Versteht eigentlich jemand etwas von dem, was wir hier tun und schreiben?

Heute zum Beispiel: Gespräch mit einer Kollegin von der Stadt Frankfurt zu einem Artikel in der Seniorenzeitschrift, die Anfang März – also passend zum Ausstellungsstart – erscheint. Viele Gedanken habe ich mir zum Tagebuch gemacht, wie man seniorentauglich die Weblogs erklärt. Und? Unverständnis schlägt mir entgegen bei der „Tagesform“, die eben nicht den körperlichen Fitness-Zustand eines Tagebuchautoren bezeichnet…

Die Form, vom lateinischen forma abgeleitet, ist doch weitaus vielseitiger als man auf den ersten Blick denken könnte, findet in den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen Verwendung und bezeichnet immer die Erscheinung oder Gestalt einer Sache oder eines Gegenstands. In Bezug auf literarische Werke ist damit eben genau gemeint, wie ein Text aufgebaut ist, wie er strukturiert ist. Beim Tagebuch ist das ganz klar die Gliederung in „zeitliche Häppchen“, die von Tag zu Tag oder in einem ähnlichen zeitlichen Rhythmus serviert werden.

Mir erscheint das ganz logisch. Man wird sehen, ob die Leser vom „Silberblatt“ das auch so sehen…

Zuerst veröffentlicht auf: http://tagwerke.twoday.net

Geschichte des Bloggens

Das Weblog hat Geburtstag

Mit all der Arbeit, die kurz vor Weihnachten anfällt, habe ich ganz übersehen, dass der Begriff „Weblog“ am 17. Dezember zehnjähriges Jubiläum hatte. John Barger gilt hierfür als Namensgeber, was somit eines der wenigen festgeschrieben Eckdaten im Rahmen einer „Geschichte des Bloggens“ wäre. Mit der fehlenden Festschreibung habe ich mich gerade jetzt im Oktober und November intensiv beschäftigt, da die aufwendige Recherchearbeit für meinen Aufsatz für den Ausstellungskatalog notwendig wurde.

Letztendlich durch wichtige Hinweise von Jörg Kantl und Kris (hier ein großes Dankeschön) habe ich jetzt das Gefühl mir einen relativ guten Überblick über die „Geschichte des Bloggens“ erarbeitet zu haben, zumindest was den deutschsprachigen Raum angeht. Leider ist die Recherche letztlich viel zu kleinteilig geworden und wird sich in diesere Gänze gar nicht in meinem Katalogartikel widerspiegeln. Immerhin für meine Dissertation über „Medienamateure“ habe ich so nebenbei massig Material gesammelt, was das latent schlechte Gewissen der Dissertation gegenüber ein wenig beruhigt.

Ich komme auf dieses Thema, weil ich (via den Kommentaren bei Jan Schmidt) auf einen Text von Benedikt Köhler gestossen bin, der sich auch gerade mit dieser „Archäologie des Bloggens“ beschäftigt hat. Der Titel passt natürlich, ist zudem mit dem Titel eines Texts von Jörg Kantel identisch, den er 2002 schrieb und darin versucht hatte, das Weblog als digitales Format einzuordnen. Was mir beim Text von Benedikt Köhler auffällt ist, dass sich hier Formate vermischen. Zum einen gab es Online-Tagebücher, womit ich Tagebücher auf privaten Homepages meine, und später gab es es mehr oder weniger aufwendige Redaktionssysteme, also eine Software, womit für mich das Sein als „Weblog“ beginnt. Das später die Online-Tagebuchszene und die Blog-Szene sukzsessive ineinander übergingen macht im Nachhinein die Datierung nicht einfacher.

Ich persönlich sehe den Anfang deutschsprachiger Weblogs bei Helma. Man muss sich das nur mal über die Wayback-Machine ansehen. Schon 1998 sieht die Seite so aus, wie man sich mehr oder minder ein Weblog (allerdings mit mehreren Autoren) vorstellt. Melody schrieb hingegen in einem Online-Tagebuch (was heute in ihrem Blog archiviert ist), bald schon durch den Wellenbrecher-Tagebuchring als Mitbegründerin und Teil einer „Community“. Damit war sie längst nicht die früheste Online-Tagebuchschreiberin, Herr Minusmann begann ein wenig zuvor, und ich bin sicher, dass sich auch noch älteres finden liesse.

Nebenbei finde ich den Zeitstrang von Köhlers „Blog History Project“ als Werkzeug beeindruckend, nur ungenau, was als Blog oder Online-Tagebuch daher kommt und es fehlt noch einiges, gerade was den Zeitraum Ende 1999 und das ganze Jahr 2000 angeht.

Apropos Kommentare: das Online-Tagebuch von John Baez, welches im Kommentar genannt wird, kannte ich noch nicht und bin für den Hinweis sehr dankbar.

Erstveröffentlichung auf http://tagwerke.twoday.net